Kategorie-Archiv: die analogen Nikons

Nikon für Alle – die E(conomy)-Serie

Nikon EM mit Series E 50mm/1,8

Nikon EM mit Series E 50mm/1,8

Viel Geld für eine Kamera auszugeben, die nur gelegentlich benutzt wird, ist nicht jedermanns Sache. Aber bei Nikon war man auch in der „analogen Zeit“ stets darauf bedacht, neben den gut ausgestatteten und überaus robusten Profimodellen auch preiswerte Kameras für den „Massenmarkt“ zu produzieren. Diese Kameras waren nicht nur von den Funktionen darauf ausgerichtet, auch von Amateuren bedient zu werden, die sich nicht viel mit der Technik auseinandersetzen wollten. Auch die Auswahl der Werkstoffe war dabei stets ein guter Kompromiss aus Kosten, Gewicht und Haltbarkeit. Weiterlesen

Nikons Profiliga – kleiner Überblick über die F-Serie

Familienfoto: Nikon F (1959) bis F6 (2004)

Familienfoto: Nikon F (1959) bis F6 (2004)

Dass Asiaten das „R“ schlecht aussprechen können ist eine Binsenweisheit. Was hat das aber mit Nikon zu tun? Als 1959 die Nikon-Leute ihre erste Spiegelreflexkamera auf den Markt brachten, wurde nach einer markanten Typenbezeichnung gesucht. Nach den Messsucherkameras M (=“Medium“) und S (=“Syncronized“) war das „R“ für Reflex zwar naheliegend, verbot sich aber aus oben genannten Gründen. So nahm man also den mittleren Buchstaben von „Reflex“ und nannte die neue Kamera „Nikon F„. Weiterlesen

Ein unsterblicher Klassiker: die Nikon FM2

Vor über dreissig Jahren kam eine Kamera auf den Markt, die bis heute viele Fotografen in ihren Bann zieht. Einige meinen, sie sei die klassischste aller Nikons: die vollmechanische FM2. Noch heute erfreut sie sich reger Beliebtheit, obwohl sie seit 2001 nicht mehr gebaut wird. Warum das so ist, darum geht es im folgenden.

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Die Nikon FM2 war mit schwarz lackiertem oder verchromten Gehäuse erhältlich

Im Jahre 1982 konnte Nikon mit einer Weltsensation aufwarten: das Nachfolgemodell der  FM erhielt einen Copal-Verschluss mit der kürzesten Belichtungszeit von 1/4000 sec und wurde zur Nikon FM2. Damit wurden Momentaufnahmen in Bereichen möglich, die der bildmässigen Fotografie bis dahin verschlossen gewesen waren. Weiterlesen

Neue Linsen an analogen Bodies?

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Sieht krass aus, passt aber: Nikon F Eyelevel (1964) mit AF-S Nikkor 17-35/2,8 (2008)

Die Frage, welche manuellen Objektive sich an modernen Digitalkameras verwenden lassen, habe ich ja schon hier behandelt. Nun gibt es aber auch oft den Fall, dass man wieder analog fotografieren möchte, aber die vorhandenen modernen Objektive dazu nutzen will. Vielleicht möchte ja der Eine oder die Andere die Sache mit dem Film erst mal ausprobieren, ohne gleich in ein paar schöne manuelle Objektive zu investieren. Dann erreichen mich Anfragen wie diese: „Kann ich die Objektive meiner Digitalkamera auch an einer analogen Nikon verwenden?“ Das kann ich nur mit einem entschiedenen „Kommt drauf an!“ beantworten. Weiterlesen

10 Jahre Nikon F6 – Hightech mit „analogem Wechselsensor“

Dieses Jahr wird die Nikon F6 zehn Jahre alt. Ist es Zeit für eine F7? Wohl kaum, denn eine Weiterentwicklung wird es wahrscheinlich nie geben. Wozu auch? Die F6 ist die beste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt – behauptet zumindest der Nikon-Guru Ken Rockwell.

Was ist denn eigentlich dran an dieser legendären Kamera? Nun, ich will Sie nicht mit technischen Daten langweilen, die können Sie hier nachlesen. Aber ein paar Besonderheiten müssen doch erwähnt werden.

Die F6 mit Ihrem Urahn Nikon F (1959)

Die F6 mit Ihrem Urahn Nikon F (1959)

Anders als ihre Vorgängermodelle der F-Reihe verfügt die F6 nicht über einen auswechselbaren Sucher. Das macht sie wesentlich kompakter als der klobige Vorgänger F5.

Der Verschluss der F6 ist deutlich leiser als der der F5, und die Kamera steckt voller Hightech. Volle Kompatibilität zum CLS-System zum Beispiel. FP-Kurzzeitsynchronistaion. Manuelle Objektive können – übrigens mit Color-Matrixmessung – im vollen Umfang verwendet werden. Auf Wunsch baut Nikon auch eine klappbare AI-Kupplung an, wie bei der F3 und der Df. Dann können auch die ganz alten nonAI-Nikkore verwendet werden. Und wie bei den grossen Digis können auch bei der F6 Brennweite und Lichtstärke von 9 manuellen Objektiven eingegeben und gespeichert werden.

Das rückwärtige LCD-Display erinnert an eine Digitalkamera

Das rückwärtige LCD-Display erinnert an eine Digitalkamera

Das Highlight aber ist: die F6 speichert die EXIF-Daten! Ja, Sie lesen richtig. Ein interner Speicher kann die Belichtungsdaten von über 30 Filmen aufzeichnen. Diese können dann mittels des Datenlesegerätes MV-1 auf eine CF-Karte überspielt und später z.B. den Scans zugeordnet werden. Auf Wunsch können die Belichtungdaten aber auch auf den Filmsteg zwischen den Bildern (oder auch in die Bilder selbst) einbelichtet werden.

Es ist vielleicht gar nicht so falsch, die Nikon F6 als „Hightechkamera mit analogem Wechselsensor“ zu betrachten, als Werkzeug für Fotografen, die eigentlich digital arbeiten, aber ohne grosse Umstellung auch mal den Look von echtem Film brauchen. Aber noch ein anderer Aspekt spielt eine Rolle. Tomoshisa Ikeno aus der Entwicklungsabteilung der Nikon F6 sagte dazu: „Mit einer Digitalkamera kann man – übertrieben gesagt – unendlich viele Bilder schiessen, ganz anders als bei analogem Film. Man muss nicht zögern; einfach den Auslöser drücken, nachher kann man ja alles wieder löschen. Manche Fotografen lehnen aber diese Oberflächlichkeit ab. Sie suchen einen vorsichtigen und respektvollen Weg zum Foto. Sie schätzen das einzigartige Bild, um ihre Vision auf Film zu bannen.“

John Crane ist einer von ihnen. Der amerikanische Outdoor-Fotograf ist von der F6 so begeistert, dass er das Nikon F6 Projekt ins Leben rief: „Leute, der Film ist nicht tot. Er brauchte nur einen neuen Meister um den nächsten Level zu erreichen. Dieser Meister ist die Nikon F6.“

Aber wie lange wird es die F6 noch geben? Schon im Dezember 2008 meldete ColorFoto, die Nikon F6 werde nicht mehr gebaut, nur noch wenige Reststücke seien im Handel. Vor einigen Tagen teilte Nikon mir dagegen auf Anfrage mit, dass die F6 weiterhin produziert werde. Zu künftigen Planungen und Verkaufszahlen wollte man sich aber nicht äussern. Gerüchte besagen jedoch, das zwei Mitarbeiter im Nikon-Werk Sendai monatlich 50 Stück produzieren.

Sie wollen eine? Und zwar möglichst günstig? Schauen Sie mal im Nikonclassics Onlineshop. Vielleicht haben Sie Glück…

 

 

 

Nikkormat FTN – der „Nikon-Panzer“

Nikkormat FTN – eine superrobuste und einfach ausgestattete Kamera im kultigen Design der sechziger Jahre. Und heute noch aktuell, denn sie lässt sich mit fast allen manuellen Nikkoren im vollen Umfang nutzen. Wer auf die Belichtungsmessung verzichtet, kann sogar AF-Objektive verwenden.

Foto aus einem Nikon Prospekt

Foto aus einem Nikon Prospekt

Im Laufe der Jahre hat Nikon viele Kameragehäuse gebaut, die zwar nicht ausdrücklich für Profis konzipiert waren, aber auch nicht unbedingt als Kameras für unbedarfte Anfänger gelten. Die Nikkormat-Serie machte darin den Anfang. Sie wurde nach dem Erscheinen der Nikon F entwickelt, um auch weniger betuchten Amateuren zu ermöglichen, eine hochwertige Kamera für das F-Objektivsystem zu erwerben. Dabei wurden einige Ausstattungsmerkmale weggelassen, die das Profimodell Nikon F so teuer machten. Weiterlesen

Nikon F2: die Legende lebt!

Wenn heute in Fotografenkreisen der Name „Nikon F2“ fällt, huscht so manchem alten Hasen ein wehmütiges Lächeln übers Gesicht. Denn die F2 war in den siebziger Jahren das Nonplusultra an Kameratechnik. Sie ist aus der Geschichte des Bildjournalismus nicht wegzudenken, kein Fotograf jener Zeit kam an dieser Kamera vorbei.

Im Folgenden will ich kurz darstellen, was die Unterschiede zum Vorgänger Nikon F und zum Nachfolger F3 sind sowie Tipps geben, was heute beim Kauf einer Nikon F2 zu beachten ist.

Wesentliche Design-Unterschiede zur Nikon F sind das abgerundete Gehäuse (die Kamera liegt nun viel besser in der Hand), der nach vorn verlagerte Auslöser und die nun konventionell (also mit einem seitlichen Scharnier) konstruierte Rückwand. Ausserdem wurde die Befestigung der Sucher solider und zuverlässiger gestaltet. Im Inneren jedoch wurde die Konstruktion umfangreicher modernisiert: Die Stromversorgung wurde in den Kameraboden verlegt, die Aufzugsmechanik gestrafft, so dass nur ein kurzer 120-Grad Schwung zum Filmtransport nötig ist. Im Sucher gibt es nun eine Blitzbereitschaftsanzeige und der Schlitzverschluss aus Titanfolie schafft jetzt 1/2000 Sekunde.

Die F2 wurde konsequent als professionelle Systemkamera konzipiert. Neben verschiedenen Prismensuchern gab es einen Lichtschachsucher (DW-1), einen Vergrösserungssucher (DW-2) und einen Sportprismensucher (DA-1). Es gab 19 (!!) unterschiedliche Einstellscheiben, verschiedene Motorantriebe (MD-1/MD-2 und MD-3) standen zur Verfügung. Ausserdem gab es sogar eine ansetzbare Blendenautomatik (DS-12). Diverse Batterie- und Netzstromversorgungen, Fernsteuerungen, Grossraummagazine und weiteres Zubehör wurde angeboten. Vieles davon ist heute sehr selten. Relativ leicht erhältlich sind aber die Grundgehäuse mit den verschiedenen Prismensuchern, die aber meist in stark gebrauchtem Zustand sind. Kein Wunder, denn die F2 war ja ein typisches Profi-Werkzeug und wurde auch entsprechend behandelt.

Von der Nikon F2 gab es verschiedene Ausführungen, deren Kamerakörper jedoch bei allen Modellen gleich war. Sie unterschieden sich nur durch die aufsetzbaren Prismensucher:

Nikon F2AS (vorn) und F2 Photomic

Die F2 Eyelevel besass nur einen reinen Prismensucher ohne Belichtungsmesser, sie wurde wenig verkauft und ist heute entsprechend selten. Die F2 Photomic hatte einen Prismensucher mit Belichtungsmesser (DP-1). Die Anzeige erfolgte mittels einer Nadel, die durch Verstellen der Blende oder Belichtungszeit mit einer Marke zur Deckung gebracht wird. „Photomic“ bedeutet übrigens einfach „Belichtungsmesser“. Den hatten alle folgenden F2-Modelle auch im Sucher, der Einfachheit halber lasse ich deshalb die Bezeichnung „Photomic“ da mal weg. Bei der Weiterentwicklung F2S (der Sucher hiess jetzt DP-2) erfolgte die Einstellung mittels Leuchtdioden, was stossunempfindlicher und bei schlechtem Licht besser ablesbar war. Nur kurze Zeit gebaut wurde die F2SB (Sucher DP-3 mit schneller ansprechenden Silizium-Fotodioden statt der trägeren CdS-Zellen), sie ist deshalb bei Sammlern begehrt. Diese drei erstgenannten Photomic-Sucher benutzten noch das alte Blendenkupplungssystem mittels Gabelkupplung. Es passen aber neben den nonAI-Objektiven auch AI und AIS-Objektive an diese Kameras, denn auch diese verfügen serienmässig über die „Hasenohren“ genannte Gabelkupplung. Sogar AF-Linsen können (ohne Belichtungsmessung) angesetzt werden.

AI-Kupplung an der F2A

1977 wurde das AI-System eingeführt. Der Objektivwechsel wurde dadurch erleichtert, denn es war nicht mehr das etwas hakelige Einsetzen der Gabelkupplung in den Mitnehmer des Messsuchers nötig. Es erschienen nun die mit einer AI-Kupplung ausgestatteten Modelle F2A und F2AS. Sie sind gut erkennbar durch die Beschriftung „A“ bzw. „AS“ vorne rechts am Prismensucher. Der DP-11-Sucher der F2A hatte eine Belichtungsanzeige mit Nadel (sozusagen analog), das Spitzenmodell F2AS zeigte im DP-12-Sucher über drei Leuchtdioden die Belichtungsmessung an. Diese beiden letztgenannten Modelle sind die gefragtesten F2, denn auch mit AF-Objektiven (allerdings nicht mit den ganz neuen „G“-Objektiven) ist hier eine Belichtungsmessung möglich.

Hier noch mal die verschiedenen F2-Modelle im tabellarischen Überblick:

  Sucher Belicht. Anzeige Messzellen Blendenkupplung
F2 Eyelevel DE-1
F2 Photomic DP-1 Zeiger CDS Gabel
F2S (Photomic) DP-2 LED CDS Gabel
F2SB (Photomic) DP-3 LED Silizium Gabel
F2A (Photomic) DP-11 Zeiger CDS AI
F2AS(Photomic)  DP-12 LED Silizium AI

Auf die eher exotischen Sondermodelle wie die F2 High Speed, F2 Data und die Titan-Ausführungen will ich hier nicht weiter eingehen. Sie sind sehr selten (und teuer) und nur was für abgebrühte Sammler.

Nach fast 10 Jahren Produktionszeit erschien 1980 das Nachfolgemodell Nikon F3,  und die hatte mit der F2 nicht viel mehr als das Objektivbajonett gemeinsam. Die Verschlusszeitensteuerung wurde nun elektronisch geregelt, an Bord war jetzt auch eine Zeitautomatik. Die Belichtungszeit wurde durch ein winziges LCD-Display im Sucher angezeigt und der schlabbrige Schnellschalthebel aus Plastik liess Sehnsucht nach der vollmechanischen Qualität des Vorgängers aufkommen. Denn die gute alte F2 hatte noch lange nicht ausgedient und erfreute sich weiterhin reger Beliebtheit. Sie ist heute ein absoluter Klassiker. Und in verschiedenen Ausführungen erhältlich im Nikonclassics Onlineshop!

Wenn Sie Sich eine Nikon F2 zulegen möchten, sollten Sie folgendes beachten: Wählen Sie ein Modell passend zu Ihren Objektiven. Wenn Sie die alten nonAI-Objektive verwenden wollen, sollten Sie eine F2 Photomic oder F2S nehmen. Die beiden Modelle F2A und F2AS bieten ein einfacheres Wechseln der Objektive, benötigen dazu aber AI- oder AIS-Objektive. Falls Sie nicht bei Nikonclassics, sondern von Privat (z.B über ebay) kaufen wollen, berücksichtigen Sie bitte dass die Belichtungsmesser oft nicht mehr richtig funktionieren. Die Verschlussvorhänge aus Titanfolie haben manchmal Dellen oder Risse, ausserdem sind Spiegeldämpfer und Lichtdichtungen meist erneuerungsbedürftig. Die ersten beiden Ziffern der Seriennummer zeigen übrigens das ungefähre Baujahr an.

Prospekte und Bedienungsanleitungen zu vielen Nikons können Sie übrigens  hier herunterladen.

Quellen und zum weiterlesen:

Die Nikon F3AF (1983-1986)

Nikon F3AF (Prospektfoto)

Das waren noch Zeiten: Helmut Kohl löste Helmut Schmidt als Bundeskanzler ab, im Südatlantik tobte der Falklandkrieg, und Nicole gewann mit „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision Song Contest. Und die japanische Nikon Corporation präsentierte auf der Photokina 1982 eine skurrile Kamera: Die erste Nikon mit Autofokus (nach der Pentax ME-F die zweite AF-SLR überhaupt), die Nikon F3AF.

Schnitt durch die F3AF

Geliefert wurde das Gehäuse ab 1983 mit dem unförmigen Sucher-, Belichtungs- und AF-Mess-Aufsatz DX-1 und dem AF-Nikkor 80/2,8. Dazu konnte ein spezielles AF-Nikkor 200/3,5 IF-ED geordert werden. Beide Objektive haben jeweils einen kernlosen Mikromotor eingebaut, eine Bauweise, die später zugunsten der in die Kameragehäuse integrierten AF-Motoren wieder aufgegeben wurde. Erst 1996 kam man bei Nikon (nachdem Canon damit grosse Erfolge erzielt hatte) wieder auf diese Technik zurück und nannte sie dann „AF-S“. Für die F3AF wurden aber leider nur diesen beiden Objektive gebaut, lediglich ein Telekonverter, der TC-16, kam hinzu. Er machte aus einem manuellem Objektiv mittels zwischengeschalteter beweglicher Linsen ein Autofokusobjektiv mit 1,6facher Brennweite; eine Bauweise,  die letztlich nur ein Kompromiss war.

Aber die F3AF war ja eigentlich auch keine ernstzunehmende Kamera, sie diente nur zum Testen des Marktes und wurde auch von den Käufern gemieden. Nicht zuletzt deshalb, weil sie das doppelte der normalen F3 kostete. Auch war die Fachwelt, gewohnt an die manuelle Bedienung, noch nicht von der Notwendigkeit einer automatischen Scharfstellung zu überzeugen. 1986 wurde sie schon wieder vom Markt genommen, nachdem ein paar tausend Stück weltweit verkauft worden waren. Autofokus blieb ein Merkmal der Amateurkameras wie F501 und F801. Erst 1988 gelang Nikon mit der F4 bekanntlich die erste richtige AF-Profi-Kamera.

Kontakte am Sucher DX-1

Aber zurück zur F3AF. Die Schärfeerkennung erfolgt im Autofokus-Prismensucher DX-1. Er bildet ein in sich geschlossenes System mit eigener Stromversorgung und fest eingebauter Einstellscheibe. Im Sucher werden aus dem Strahlenbündel in der Mitte zwei Teilstrahlen abgeleitet und auf zwei Silizium-Fotodioden geführt. Ähnlich dem Prinzip eines Schnittbild-Entfernungsmessers erkennt der Sucher, ob das Motiv im Meßfeld scharf fokussiert ist. Wenn nicht, werden entsprechende Befehle mittels spezieller, im Kamerabajonett eingebauter zusätzlicher Kontakte elektrisch an den Fokussiermotor im Objektiv erteilt. Schon erstaunlich, dass das alles so gut funktionierte, wenn auch für heutige Massstäbe etwas behäbig.

Kontakte im Body der Nikon F3AF

Leider, leider ist aber das alles nicht mit modernen AF-Geräten vollständig kompatibel. Ausser den beiden schon genannten 80- und 200mm-Objektiven funktionieren keine anderen AF-Nikkore mit der F3AF. Manuelle Objektive können an der F3AF jedoch problemlos verwendet werden. Andersherum lassen sich die beiden Objektive der F3AF auch nur an der F4 und der F501 verwenden, an digitalen Nikons nicht. Dafür sind es die einzigen AF-Nikkore die sich auch an älteren Nikon Kameras ohne Ai-Kupplung verwenden lassen.

Die F3AF kann übrigens ganz leicht in eine normale F3 verwandelt werden, lediglich eine Mattscheibe und ein DE-2 oder DE-3(HP) müssen dazu statt des klobigen DX-1-Suchers montiert werden. Auch alle anderen Zubehörteile der F3, wie zum Beispiel Motor oder Datenrückwand, können mit der F3AF verwendet werden. Ausserdem kann der DX-1 an jeder „normalen“ F3 auch als automatische Einstellhilfe verwendet werden, wenn nach wie vor von Hand fokussiert werden soll.

Wie gesagt, die Nikon F3AF ist recht selten, um so mehr freue ich mich, in meinem shop ein Exemplar in neuwertigem Zustand anbieten zu können verkauft zu haben.

Die Nikon FM3a (2001-2006)

Die Nikon FM3a ist die letzte der analogen Nikons im klassischen Stil und verbindet die Vorteile der Vorgängermodelle FM2n und FE2. Im Gegensatz zur Hitech-Kamera Nikon FA, deren Produktion schon einige Jahre vorher eingestellt war, stattete Nikon die FM3a allerdings nur mit relativ spartanischen Basisfunktionen aus.

Die Ankündigung einer manuell zu fokussierenden Kamera für 35mm-Film war im Sommer 2001, im  anbrechenden Digitalzeitalter, ein Wagnis. Die Professionelle Digital-Spiegelreflex Nikon D1 war schon seit zwei Jahren auf dem Markt, die Nachfolgemodelle D1X und D1H waren grade erschienen. Aber schon seit 1998 arbeitete das Entwicklerteam von Mito Nikon, einem Unternehmen der Nikon-Gruppe, an einer ganz anderen Kamera. Die sieben, später zwölf Ingenieure hatten sich in eine Abteilung in ihrem Werk in Ohi zurückgezogen, um das Projekt „FM3a“ voranzubringen. In Ohi hatte man schon seit den 40er Jahren, als dort die Messsucher-Nikons entwickelt wurden, Erfahrung mit der Massenproduktion von mechanischen Kameras. Der Auftrag war, einen Nachfolger für die erfolgreiche Nikon FM2n zu entwickeln, die seit ihrer Einführung 1984 ein Bestseller war. Sie erfreute sich vor allem bei erfahrenen Amateurfotografen und Fotografiestudenten reger Beliebtheit. Zwar war ein grosser Vorteil der FM2n, dass sie notfalls auch ohne Batteriestrom auskam, aber es gab auch eine steigende Nachfrage nach einer Zeitautomatik und einer TTL-Blitzsteuerung. Die elektronische FE2 verfügte zwar über die beiden letzten Features, wurde aber seit 1988 nicht mehr gebaut. Das Projektteam überlegte also hin und her, wie man diesen Wunsch erfüllen könnte. Schliesslich entschied man sich für einen Hybridverschluss, um die gleichzeitige Verfügbarkeit von Zeitautomatik und batterieloser Verschlusssteuerung zu gewährleisten.

Dieser Hybridverschluss musste für die FM3a neu erfunden werden. Er sollte im Zeitautomatik-Modus elektronisch angesteuert werden, bei manueller Zeiteinstellung hingegen mechanisch, so dass er auch ohne Batterie betrieben werden konnte. Er benötigte also zwei Steuersysteme, was zur Folge hatte, dass sich durch die erhöhte Anzahl von Bauteilen auch der Platzbedarf vergrösserte. Da die FM3a aber als Nachfolger der FM2n betrachtet wurde, kam eine Vergrösserung des Gehäuses nicht in Frage. Es musste also eine Möglichkeit gefunden werden, mit weniger Platz auszukommen. Das war eine grosse Herausforderung für die Ingenieure, da ja die Steuereinheiten der FM2n und der FE2 kombiniert werden mussten.

Steuereinheiten der Nikon FM3a, FM2n und FE2 im Vergleich

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Belichtungsanzeige im Sucher sollte ganz traditionell mit einer Messnadel erfolgen, wie schon bei der 1972er Nikkormat EL. Leider gab es zu dieser Zeit keinen Hersteller in Japan, der ein so kleines und präzises Messwerk liefern konnte. Nach langem Suchen wurde ein ausländischer Produzent gefunden. Als die Nikon-Ingenieure die Messwerke jedoch vor Ort begutachteten, waren sie mit der Genauigkeit unzufrieden. Es wurde – so berichtet es jedenfalls die Nikon-Geschichtsschreibung – eine gebrauchte Nikon FE2 aus einem Second-hand-shop beschafft. Diese wurde aufgeschraubt, das Messwerk ausgebaut und dem Lieferanten als Muster präsentiert. Letztendlich wurde das Messwerk gegenüber der FE2 noch verbessert (es musste ja auch kleiner sein), zum Beispiel erhielt die Messnadel einen Gewichtsausgleich, um auch bei schräg gestellter Kamera eine reibungslose Anzeige zu gewährleisten.

Für das Metallgehäuse der FM3a wurde eine verschwindende Technologie verwendet: Das Tiefziehen von Messingplatten. Hier kam der Arbeitsgruppe zugute, dass die alten Ingenieure, die diese Technik noch kannten, vorhanden waren. Während das Rohmaterial aus 0,7 mm dicken Messingblechen bestand, wurden in den dünnsten Abschnitten 0,2 mm erreicht. Das Bajonett hingegen wurde nicht wie bei den Vorgängermodellen aus verchromten Messing sondern aus dem noch festeren Edelstahl gefräst. Auch das Verschlusszeitenrad wurde etwas griffiger.

Aber auch in anderen Details übertraf die FM3a ihre Vorgänger FE2 und FM2n. So wurde sie mit der Fähigkeit ausgestattet, automatisch den DX-Code der eingelegten Filmpatrone zu lesen und die Filmempfindlichkeit in ihr Messsystem zu übernehmen. Die Filmschachtelhalterung  entfiel, dafür wurde die Rückwand mit einem Sichtfenster ausgestattet, um die eingelegte Filmsorte zu überprüfen. Zwei kleine Tasten kamen dazu, eine Belichtungskorrekturtaste für Gegenlicht sowie eine Messwertspeichertaste. Auch der Sucher – bei einer manuellen Kamera ja sehr wichtig – wurde verbessert: Die Einstellscheiben wurden nochmals optimiert und durch Einsatz der gleichen Technologie wie für die Mattscheiben der F3 deutlich heller, brillianter und feinkörniger.

Aber einige Ziele konnten auch nicht erreicht werden. So war anfangs geplant, eine Spotmessung sowie eine Spiegelvorauslösung zu integrieren. Das liess sich jedoch technisch nicht verwirklichen.

Nach einem Jahr Entwicklungsphase wurde die Serienfertigung der FM3a im April 2000 im Werk Mito gestartet. Mit einigen Anlaufschwierigkeiten kam sie dann im Juli 2001 auf den Markt. Trotz der neuen Digitalkameras wurde Nikon von Bestellungen überhäuft, so dass die Kamera anfangs sehr rar war. Später vermarktete Nikon die FM3a im leider als eine Art Herrenschmuck. Ausgerüstet mit dem kuriosen und eher leistungsschwachen Nikkor 45/2,8 AI-P wurde sie zum Schluss meist von den Käufern gemieden und so wurde die Produktion im Januar 2006 eingestellt. Als Höhepunkt der mechanischen analogen Kameras und letzte mechanische Nikon im klassischen Stil ist ihr aber ein Ehrenplatz in der Kamerageschichte sicher. Wohl auch deshalb gehört sie mittlerweile zu einer der gefragtesten Nikons im Gebrauchtsektor.

Sie erhalten diese schöne Kamera im Nikonclassics onlineshop! Einen Prospekt und die Bedienungsanleitung gibt es gratis im Downloadbereich.

Eine Übersicht über alle Kameras der FE/FM-Serie finden Sie hier. Noch mehr zur Geschichte der FM3a auf der offiziellen Nikon-Seite.

 

Die Nikon FE2 (1983-88)

Von allen Kameras der Nikon FM/FE-Serie ist mir die FE2 am liebsten. Sie bietet fast alles, was die FM3a hat, ist aber wesentlich günstiger. Das elegante klassische Gehäuse beinhaltet eine damals sehr moderne Elektronik und einen superschnellen Verschluss mit Lamellen aus Titanfolie. Nikon schrieb damals stolz: „Hier sehen Sie die schnellste automatische einäugige Kleinbild-Spiegelreflex der Welt: die Nikon FE2“.

Meine erste FE2 kaufte ich mir 1984 für sage und schreibe 815,– DM. Als junger Fotograf hatte mich meine bisherige Minolta einmal bei einem wichtigen Termin verlassen, als die Batterien leer waren. Nun stieg ich also auf Nikon um, denn mit der FE2 hätte ich immerhin noch die mechanische Verschlusszeit gehabt (allerdings habe ich seitdem IMMER Ersatzbatterien dabei…). Auch wird die Batterie bei der FE2 nicht unabsichtlich beansprucht, denn der angelegte Schnellschalthebel schaltet gleichzeitig die Kamera aus.

Belichtung: genau / +2EV / -2EV

Sehr gut gefällt mir auch das Sucherbild, denn man hat in der FE2 eine komplette Belichtungszeitenskala zur Verfügung. Bei Verwendung der Zeitautomatik wird hier die von der Kamera gewählte Belichtungszeit angezeigt. Möchte man aber die Belichtung lieber manuell einstellen, kann man genau sehen, wie stark die eingestellte Belichtungszeit von der gemessenen Zeit abweicht. Für Automatikverächter ein wichtiges Hilfsmittel beim manuellen Belichten und meiner Meinung nach viel übersichtlicher als die spartanischen drei Leuchtdioden der FM und FM2 oder die kleine +/- LCD-Anzeige der F3. Die Messung der FE2 ist mittenbetont. Die längste Verschlusszeit sind übrigens volle acht Sekunden, wogegen beim Nachfolger FM3a schon bei einer Sekunde Schluss ist.

Der superschnelle Verschluss gehörte wie gesagt zu den Hauptverkaufsargumenten der FE2, und das mit Recht. Schliessslich war damals die 1/60 Standard für die Synchronzeit; kürzere Zeiten waren nur mit Zentralverschluss (z.B. bei der Hasselblad) möglich. Nun konnte man mit der 1/250 draussen aufhellblitzen (sogar mit TTL-Belichtung), und benötigte dank weiter geöffneter Blende weniger Blitzpower. Die 1/4000 habe ich allerdings nie gebraucht, sie ist wohl eher etwas für Sportfotografen – oder Spezialisten, die bei heller Sonne mit hochempfindlichem Film arbeiten.

Die FE2 braucht Batteriestrom zum Arbeiten  (ausser man beschränkt sich auf 1/250 und B). Diesen liefert eine 2L44-Lithiumbatterie oder aber zwei Knopfzellen S76 (Silberoxid) oder A76 (Alkaline). Diese Batterien sind übrigens heute noch problemlos erhältlich und halten oft mehrere Jahre. Dass die Batterie langsam dem Ende entgegensieht erkennt man daran, dass sich der Belichtungsmesser sofort nach dem Loslassen des Auslösers abschaltet. Bei frischer Batterie bleibt er noch ein paar Sekunden lang an.

Die weiteren Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell Nikon FE sind – neben dem schon erwähnten neuen Verschluss – eine hellere Einstellscheibe sowie eine sanftere Spiegelmechanik. Ausserdem hat die Nikon FE2 jetzt auch eine TTL-Blitzsteuerung an Bord, wirksam im Bereich von ISO 25 bis 400. Wird dieser Bereich unter- oder überschritten, warnt die Nikon FE2 durch die blinkende Bereitschaftsanzeige. Bei versehentlichem Einstellen einer kürzeren Verschlußzeit als 1/250 Sek. regelt die Elektronik automatisch auf 1/250 Sek. herunter. Vorteilhaft für das Aufhellblitzen am Tage ist die Tatsache, daß trotz angesetztem Blitzgerät die Belichtungsmessung aktiv bleibt, um eine optimale Anpassung zwischen Blitz- und Dauerlicht zu ermöglichen.

Einen Nachteil gegenüber dem Vorgänger FE hat die FE2 jedoch: Bei der FE2 wurde die Umlegbarkeit des Blendenmitnehmers weggelassen; die alten non-AI-Nikkore mit Blendenmitnehmer sind trotz unverändertem Bajonett nicht mehr ansetzbar. Ein Manko, dass sich allerdings verschmerzen lässt, denn auch bei der FE war ja mit non-AI-Nikkoren ohnehin nur Gebrauchsblendenmessung möglich.

Interessant ist übrigens, dass die Nachfolgerin der Nikon FE als Nikon FE2 nach dem Willen Nikons eigentlich die Nikon FA werden sollte. Deren Entwicklung  dauerte allerdings länger als erwartet, weil sich die Entwicklung der Mehrfeld-Innenmessung dieser technisch wirklich wichtigen neuen Kamera verzögerte, sodass sie erst im September 1983 in kleinen Stückzahlen auf dem Markt erschien. Um jedoch die FE durch ein neues Modell ersetzen zu können, entschloss sich Nikon, sozusagen eine vereinfachte FA als Nikon FE2 zu bauen.

Als die Produktion der Nikon FE2 1988 eingestellt wurde, ging ein Aufschrei durch die Nikon Fan-Gemeinde, und die Preise für eine gebrauchte Nikon FE2 schossen nach oben, teilweise über den Neupreis. Gehörte sie doch noch zu der immer kleiner werdenden Gruppe der klassischen Spiegelreflexkameras ohne eingebauten Motor, Multiprogramme und Autofokus.

Eine Übersicht über alle Kameras der FE/FM-Serie finden Sie hier.

Technische Daten:

  • Produktionszeitraum: 1983-88
  • Verschluss: Titanlamellen
  • Verschlussteuerung: quarzgesteuert
  • Verschlussablauf: vertikal
  • Verschlusszeiten: 1/4000 – 8 s, X, B
  • Synchronzeit: 1/250 s
  • Messmethode: 60/40%
  • Messbereich: EV +1 bis +18
  • Messzellen: SPD
  • ISO-Einstellungsbereich: 12-4000
  • Wechselsucher: nein
  • Einstellscheibe: wechselbar
  • Sucheranzeigen: Belichtungsmesser, Verschlusszeit, Blende, Blitzbereitschaft
  • Sucher-Bildfeld: 93%
  • Abmessungen: 90 x 142 x 57 mm
  • Gewicht: 550 g

Diverse Nikon FE2 finden Sie hier in meinem onlineshop! Einen Prospekt und die Bedienungsanleitung gibt es gratis im Downloadbereich.