Manuelle Nikkore an Spiegellosen – Warum?

60er-Jahre Nikkor an SONY A7

60er-Jahre Nikkor an SONY A7

Spiegellose Systemkameras liegen voll im Trend und haben mittlerweile 30% Marktanteil erreicht. Anders als bei den Spiegelreflex-Platzhirschen Nikon und Canon sind die Systeme aber noch in Bewegung. Welche Unterschiede gibt es und warum ist es sinnvoll, manuelle Objektive damit zu benutzen? Darum soll es im Folgenden gehen.

Einer der ersten Standards war das Micro-Four-Thirds-System (MFT). Die Hersteller Panasonic und Olympus bieten eine Palette an Kameras mit inzwischen über 60 untereinander kompatiblen Objektiven an. Auch Sigma und Tamron sind dabei. Die Sensorgrösse dieser Kameras ist aber mit 22mm Diagonale eher klein, der Formatfaktor liegt also bei 2 (d.h. ein 50mm-Objektiv wirkt wie ein 100er bei KB-Vollformat). Fujifilms X-Mount-Kameras verfügen immerhin über einen APS-C-Sensor mit Formatfaktor 1,6. Durch das eigenwillige Retro-Design wirken sie etwas exotisch. Die Objektivauswahl ist mit 20 Fuji-Linsen und drei Zeiss-Modellen übersichtlich. Auch Canon bietet Spiegellose Systemkameras bisher nur mit APS-C-Sensor an, dazu aber lediglich sechs Objektive. Mit einem Adapter lassen sich aber auch die Spiegelreflex-Objektive nutzen. Konkurrent Nikon hat für die Nikon1-Serie immerhin 13 Linsen im Angebot, allerdings werden in den kleinen Kameras nur die winzigen 1-Zoll-Sensoren aus dem Kompaktbereich verbaut. Auch hier gibt es einen Adapter für Spiegelreflex-Nikkore, was aber wegen des Formatfaktors von 2,7 nur bedingt sinnvoll ist. Auf eine spiegellose Vollformat-Nikon warten Insider schon lange, bisher gibt es aber nur Gerüchte.

Das variabelste System bietet momentan Sony. Neben einer Reihe von APS-C-Kameras bietet Sony als einziger Hersteller Spiegellose Systemkameras mit Vollformatchip an (wenn man mal von der sehr teuren Leica SL absieht). Die passenden Linsen haben alle das Sony-E-Mount-Bajonett, das momentane Angebot umfasst 47 verschiedene Typen von Sony und Zeiss, von denen allerdings nur 22 für das Vollformat der A7-Bodies geeignet sind. Zudem sind sie recht teuer.

dsc_7073Glücklicher Weise muss man sich aber bei spiegellosen Systemkameras nicht auf die hauseigenen Objektive beschränken. Da sie – bedingt durch den fehlenden Spiegel – über ein geringes Auflagemass verfügen, ist die Verwendung von systemfremden Objektiven kein Problem. Für entschleunigte Fotografie mit manuellem Fokus braucht man nichts weiter als ein passendes Adapter, um Nikon-Objektive an die jeweilige Kamera anzuschliessen. Als No-Name-Produkt gibt es diese Adapter schon ab ca. 20,– EUR. Die teureren Novoflex-Modelle sind wertiger verarbeitet und erfüllen den gleichen Zweck. Am sinnvollsten ist diese Arbeitsweise natürlich mit einer Vollformatkamera, da diese den Bildkreis des Objektives voll ausnutzt. Die  guten alten Nikkore lassen sich daran prima verwenden. Dabei ist es egal, ob es sich um AI/AIS-Typen oder die älteren non-AI-Modele handelt. Das einzige Manko ist: die Blende und der Fokus müssen manuell eingestellt werden, aber grade das kommt ja einer entschleunigten Fotografie sehr entgegen. Die manuelle Scharfeinstellung wird dabei durch clevere Technik in den Kameras sehr erleichtert: Mit den Funktionen Fokuslupe oder „Focus Peaking“, bei dem die scharf eingestellten Bereiche farblich hervorgehoben werden, kann präzise manuell fokussiert werden. Dabei kann die Schärfenebene sehr bewusst als Gestaltungsmerkmal eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass die soliden manuellen Linsen eine meist hervorragende Abbildungsleistung haben. Ganz zu schweigen von der Retro-Haptik, denn die meisten alten Objektive sind komplett aus Metall und wirken wie „aus dem Vollen gefräst“. Und sie sind in reichhaltiger Auswahl und relativ preisgünstig bei Nikonclassics erhältlich.

nikkor502sony1650Wie es sich mit der Bildqualität dieser alten Linsen verhält, sei exemplarisch an den nebenstehenden Vergleichsbildern gezeigt. Hier werden das kompakte Sony-Zoom 16-50/3,5-5,6 und das manuelle Nikkor 50/2 aus den siebziger Jahren miteinander verglichen. Die 1:1 Ausschnitte sind aus dem Bereich zwischen Bildmitte und Rand entnommen. Auffallend ist die deutlich bessere Brillanz und Schärfe des alten Nikkors (oberes Bild). Das moderne Sony-Objektiv (unteres Bild) fällt dagegen in der Leistung deutlich ab und zeigt ein etwas verwascheneres Bild.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verwendung von guten alten Nikon-Objektiven an spiegellosen Systemkameras eine preisgünstige und qualitativ hervorragende Lösung ist. Das etwas langsamerer Arbeiten mit manueller Fokussierung  kann sich dabei durchaus positiv auf eine etwas durchdachtere Bildgestaltung auswirken.  Mehr über die Verwendung von alten manuellen Objektiven an modernen Digitalkameras lesen Sie hier.

 

Über Nahlinsen

Für effektvolle Nahaufnahmen braucht man nicht unbedingt teures Spezialequipment: Für den Anfang tut es oft eine einfache Nahlinse. Die Nikon Vorsatzlinsen lassen sich in alle Nikkor Objektive mit 52mm Schraubfassung einschrauben, wenn auf kürzere Entfernungen als die Minimalaufnahmedistanz des Objektivs eingestellt werden soll. Sie sind kompakt und einfach im Gebrauch und beeinträchtigen weder die Blendenautomatik noch die Belichtungsmessung durch das Objektiv. x_linse 0Allerdings werden das geringe Gewicht und der günstige Preis durch einen fotografischen Nachteil erkauft, der sich je nach Aufgabenstellung mehr oder weniger stark bemerkbar macht: Vor allem bei offener Blende wirkt sich die Nahlinse etwas qualitätsmindernd aus. Dies ist vor allem an den Bildrändern bemerkbar, wo sich Bildfehler wie Verzeichnung und vor allem Schärfeverlust einstellen. Die Einbuße ist allerdings relativ: während dieser Abbildungsfehler beispielsweise bei Naturmotiven wie Blüten oder auch nahen Portraits kaum ins Gewicht fällt, sollte man Reproduktionen oder technische Aufnahmen besser mit einem Makro-Objektiv machen. Weiterlesen

Nikon F-301 – das verkannte Aschenputtel?

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Als die Nikon F301 im Jahre 1985 erstmals präsentiert wurde stand die Berliner Mauer noch felsenfest und der Zeitreiseklassiker „Zurück in die Zukunft“ kam grade ins Kino. Die neue Nikon hatte zwar keinen Fluxkompensator, aber dafür erstmals einen eingebauten Motor für den Filmtransport. Sie löste das Amateurmodell Nikon FG ab und war der Anfang einer neuen Generation von einfach zu bedienenden Kameras für Hobbyfotografen. Trotzdem bot sie ein erstaunliches Paket an Ausstattung, und so ist nicht ganz zu verstehen, warum diese Kamera auf dem Gebrauchtmarkt momentan ein Schattendasein führt.

Elektronik der F-301

Elektronik der F-301

Und das, wo sie einen deutlichen Vorteil gegenüber den beliebten Modellen FE-2 und FM2n hat. Doch dazu später mehr.

Wer sich mit dem 80er-Jahre-Design anfreundet, bekommt eine solide Kamera, die dem Fotograf viel Arbeit abnimmt, ohne das er (oder sie) die Kontrolle verliert. Angefangen bei der automatischen Filmeinfädelung über die selbsttätige Fimempfindlichkeitseinstellung bis hin zum motorischen Filmtransport und natürlich verschiedener Belichtungsprogramme. Trotzdem ist eine manuelle Belichtungseinstellung  problemlos möglich. Weiterlesen

Über das manuelle Scharfstellen

Wer zum ersten mal mit einer analogen, manuellen Kamera arbeitet, muss sich daran gewöhnen, dass nicht der Autofokus das Objektiv scharfstellt, sondern der Fotograf. Das mag einfach erscheinen, aber der Teufel steckt wie so oft im Detail. Denn viele werden sich wundern, dass ihre Aufnahmen nicht so knackscharf werden wie erwartet.

Als ich in den 19achtziger Jahren meine ersten Auftragsfotos machte, wunderte ich mich, dass Kollegen, die mit einer alten Leica fotografierten, immer schärfere Fotos mitbrachten als ich mit meiner Nikon FE2. Ich schob das erst auf die legendären Leitz-Optiken, biss ich merkte, dass sich die M-Leica viel leichter genau fokussieren liess (allerdings nur bei kurzen Brennweiten!). Ich war einfach beim Scharfstellen etwas nachlässig gewesen. Denn auch mit einer Spiegelreflexkamera lassen sich punktgenaue Fotos erreichen: man muss nur sehr, sehr sorgfältig fokussieren. Aber wie geht das?

unscharf

Unscharf eingestellt

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Der klassische Einstieg: Nikon FE

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Wenn über klassische Nikons geredet wird, steht eine Kamera auf einem der ersten Ränge: die Nikon FE. Sie ist etwas kleiner und leichter als die Vorgängermodelle Nikkormat und Nikon EL2, ist aber ebenfalls komplett aus Metall gefertigt.

Sie erschien 1978, also ein Jahr nach der FM. Anders als diese verfügt sie aber über einen elektronisch gesteuerten Verschluss sowie eine Zeitautomatik. Zur eingestellten Blende wählt die Kamera also die passende Belichtungszeit. Zum Betrieb benötigt sie zwei langlebige und noch immer leicht erhältliche Knopfzellen vom Typ G13, LR44 oder A76. Sollten die einmal leer sein, ist die FE aber auch ohne Strom immerhin noch mit der 1/90 Sekunde sowie B verwendbar. Zur kompletten Ausstattung der FE gehören ausserdem eine Weiterlesen

Wie leicht soll ein manueller Fokus laufen?

Wer zum ersten Mal ein manuelles Objektiv in der Hand hat, ist oft erstaunt über die mechanische Präzision, mit der viele dieser Objektive gefertigt wurden. Der sanft gleitende Fokusring, mit dem präzise eingestellt werden kann. Die genau abgestimmte Dämpfung, die dem ganzen eine gewisse Sämigkeit gibt. Allerdings gibt es gelegentlich grosse Unterschiede, was die Leichtgängigkeit angeht. Wie kommt das?

DSC_3168In dem Helikoid genannten, meist mehrgängigen Gewinde, mit dem der vordere Teil des Objektives durch Drehung herausgeschoben wird, befindet sich ein Schmiermittel. Nicht irgendeins, sondern spezielles Helikoid-Fett mit genau abgestimmtem Dämpfungsgrad. Ausserdem muss es Wärme-und Kältetauglich sein, nicht Verharzen und Rumbröseln, und es soll da bleiben wo es ist und sich nicht etwa Inneren des Objektiv auf andere Teile verbreiten, wo es nicht hingehört. Dieses Fett ist aber einem gewissen Alterungsprozess unterworfen, wobei neben der Zusammensetzung auch die Art der Lagerung (kalt/warm, trocken/feucht), aber auch die Häufigkeit der Nutzung eine Rolle spielen. Das Schmiermittel kann im Laufe der Jahre zäh werden, dann wird der Fokusring sehr schwergängig. Oder es kann austrocknen, dann läuft der Fokus rauh und leicht. Weiterlesen

Nikon-Werbung: mal genial, mal peinlich

Die Firma Nikon hat im Laufe ihrer Geschichte stets für ihre Produkte geworben und dabei die verschiedenste Strategien gefahren, die auch je nach Land sehr unterschiedlich waren. Und auch mal mehr, mal weniger humor- und geschmackvoll.

In den frühen Jahren waren die Werbeaussagen noch eher schöngeistig und zielten mehr auf die Künstlerseelen, für die Fotografie eine Form der kreativen Selbstdarstellung ist: „Der Mensch oder die Kamera, wer ist für ein gutes Bild verantwortlich?“ fragten die Werber in dieser Anzeige.16080625523_3b7544423d_o Eine gewagte Aussage für einen Kamerahersteller, die dann auch in dem langen Text (den heutzutage niemand mehr lesen würde) ausgiebig erörtert wurde und zu dem Schluss kam: Weder das Eine noch das Andere allein, sondern beides im Zusammenspiel. Weiterlesen

Jetzt 10% Rabatt für Radfahrer!

Radbonus-Start-1024x683Nikonclassics mag Radfahrer, denn Fahrradfahren ist gesund, umweltfreundlich und macht Spass. Als kleinen Ansporn gibt es im Nikonclassics Onlineshop jetzt Rabatt für fleissige Radlerinnen und Radler. Für je 50 gefahrene Kilometer gibt es 5% Rabatt bei Ihrer nächsten Bestellung, für 100 km sogar 10% Rabatt!

Wie funktioniert das? Einfach die App radbonus aufs Smartphone laden und vor Fahrtbeginn aktivieren. Dabei geniesst der Datenschutz übrigens einen sehr hohen Stellenwert, es ist keine Registrierung dafür notwendig. Auf der Webseite von radbonus gibt es eine  genau Anleitung dazu.

 

Wieviel Pixel braucht der Mensch?

Sensor der Nikon D800

Sensor der Nikon D800

Die Kamerahersteller bauen Sensoren mit immer höherer Auflösung in ihre Kameras ein. Während das Nikon-Flagschiff D810 mit „nur“ 36 Megapixeln daherkommt, ist Konkurrent Canon inzwischen bei 50 MP angelangt. Der stern dagegen forderte schon 2007 „Schluss mit dem Pixelwahn“ und meinte, 6 Megapixel würden vollauf genügen. Wieviel Megapixel braucht man den nun?

Zunächst mal muss man sich klarmachen, dass in der gesamten Fotoindustrie ein starker Innovationsdruck herrscht. Schon zu analogen Zeiten kamen alle paar Jahre neue Modelle auf den Markt. Allerdings gab es damals noch wirkliche Weiterentwicklungen. Man denke nur an die Einführung von Belichtungsautomatik und Autofokus. Zwar konnte die Bildqualität von Digitalkameras auch seit Ihrer Einführung deutlich gesteigert werden, aber ausser der immer höheren Auflösung hat sich in den letzten Jahren wenig getan.

Wie wirkt sich aber nun die hohe Auflösung der Pixelmonster wie Nikon D800 auf die Bildqualität aus? Ich wollte ich es jetzt mal genau wissen. Weiterlesen

AI oder nonAI – das ist hier die Frage!

Immer wieder gibt es Unklarheiten, was es mit den Bezeichnungen „AI“ und „nonAI“ auf sich hat. Was ist der Unterschied und was passt wo? Darum geht es im Folgenden.

non-Ai-Objektiv

nonAi-Objektiv mit „Hasenohr“

„AI“ ist die Abkürzung für „Automatic Indexing“, und beschreibt das 1977 eingeführte System der Blendenübertragung zwischen Objektiv und Kameragehäuse. Der im Kameragehäuse eingebaute Belichtungsmesser kennt ja die am Objektivring eingestellte Blendenöffnung nicht. Deshalb  muss sie ihm auf mechanischem Weg übermittelt werden, damit er die dazu passende Belichtungszeit anzeigt oder auch selbsttätig einstellt. Vor 1977 gab es an den Objektiven dazu nur die Blendenkupplung über eine Mitnehmergabel, die sogenannten „Hasenohren„. Am Blendenring des Objektives war ein kleiner geschlitzter Blechwinkel angebracht, der in einen beweglichen Kupplungsstift am Kameragehäuse geführt wurde. Der Objektivwechsel gestaltete sich dadurch etwas fummelig. Weiterlesen