MD-12 – der Motor zur FM/FE-Familie

Wer mit dem smartphone fotografiert, kennt das Geräusch. Der künstlich eingespielte Ton vieler smartphone-Foto-Apps ähnelt dem einer Nikon mit angeschlossenem MD-12. Zugegeben,  unauffälliges fotografieren geht damit nicht mehr. Dafür bietet der MD-12 aber Vorteile, die man nicht sofort vermuten würde.

Denn mit angeschlossenem MD-12 liegt eine Nikon FM, FE, FM2, FE2, FM3a oder FA deutlich satter in der Hand, dank des wulstigen Griffes, der auf den ersten Blick gar nicht so ergonomisch aussieht. Trotzdem lässt sich so besonders mit längerer Brennweiten erheblich angenehmer arbeiten, denn um den runden Handgriff krallen sich die Finger gradezu in die Kamera. Mit einem angeschlossenem in den Fernbedienungsanschluss eingeschraubten MR-3 Auslöseknopf machen auch Hochformataufnahmen mehr Spass.

Der eigentlich Daseinszweck eines Motorantriebes ist aber natürlich der Filmtransport. Diese Aufgabe erfüllt der MD-12 laut und vernehmlich, wahlweise mit Einzelbildschaltung oder im Dauerbetrieb. Er erreicht dabei bis zu 3,5 Bilder pro Sekunde. Aber auch mit ausgeschaltetem Motorantrieb kann die Kamera ausgelöst und der Film manuell transportiert werden, wenn es einmal nötig sein sollte.

Das äusserlich identische Vorgängermodell MD-11 wurde 1977 zur Nikon FM geschaffen. Ausgerüstet mit 8 Batterien oder Akkus der Größe AA wird er an den Gehäuseboden geschraubt und über vier elektrische Kontaktstifte von der Kamera gesteuert. Dabei müssen ausser bei der FA an keiner der kompatiblen Kameras irgendwelche Deckelchen abgeschraubt werden, die verloren gehen könnten. Nachteil des MD-11 ist, dass beim Einschalten des Motors das Messsystem der Kamera aktiviert wird, das den Strom aber aus den Kamerabatterien entnimmt. Wird die Kamera aber nicht ausgelöst und bleibt dann der Motor eingeschaltet, fließt dennoch  ein Kriechstrom in der Kamera und die Kamerabatterien sind irgendwann einmal leer.

Beim MD-12 wurde dieser Konstruktionsfehler ausgemerzt, das Belichtungssystem der Kamera wird nun durch Druck auf den Auslöser eingeschaltet und automatisch eine Minute nach dem letzten Druck auf den Auslöser ausgeschaltet – damit wird unnötiger Stromverbrauch bei eingeschaltetem Motor verhindert. Der zweite Unterschied ist schaltungstechnischer Art. Beim MD-11 erfolgt der Filmtransport erst, wenn der Fotograf nach der Aufnahme den Finger vom Auslöser nimmt. Der MD-12 dagegen transportiert sofort nach erfolgtem Verschlußablauf.

Die Kamera selbst wird vom Motor mechanisch mittels eines nach oben ins Kameragehäuse schnellenden Stiftes ausgelöst. Die kleine LED neben dem ON/OFF-Schalter ist übrigens keine Batteriekontrolllampe, sondern leuchtet nur kurz auf, wenn der Film motorisch transportiert wird. Mit Dauerlicht zeigt sie das Filmende an, das allerdings auch durch den jaulenden Motor unüberhörbar signalisiert wird. Dann sollte man den Rückspulschieber nach oben schieben, um das Getriebe zu entlasten und den Motor ausschalten. Der Film wird dann manuell zurückgekurbelt.

An den schon erwähnten Fernbedienungsanschluss können übrigens diverse Fernauslösekabel (z.B MC-10 oder MC-12) oder Funksteuerungen angeschlossen werden. Auch lassen sich mehrere Kameras so simultan auslösen.

Manchmal kann so ein MD-12 aber auch rumzicken. Besonders beim ersten Ansetzen oder bei schwachen Batterien hakelt er manchmal etwas herum. Die Bedienungsanleitung (die übrigens hier herunterladbar ist) empfiehlt dann, den Motor abzuschalten, eine Aufnahme zu tätigen und den Film dann manuell zu transportieren. Nach erneutem Auslösen wird dann der Motor wieder eingeschaltet. Helfen kann es auch, Kamera und Motor zu trennen, manuell den Film zu transportieren, auszulösen und den Motor dann wieder anzusetzen.

MD-11 und MD-12 erhalten Sie natürlich in mehr oder weniger gebrauchten Zustand bei Nikonclassics – wie bei allen Artikeln mit einjähriger Gewährleistung.

Ein Gedanke zu „MD-12 – der Motor zur FM/FE-Familie

  1. Ingo Müller

    Eigentlich benötige ich keinen Motor für analoge Kameras. Für schnelle Bilderserien nehme ich eine Digitalkamera mit >10Bilder/sec. Als Sammler wollte ich aber gerne einen Motor für meine FE2. Wenn man es vorher selbst nie ausprobiert hat, glaubt man kaum, was ein MD12 für die Bildstabilisierung leisten kann. Der bessere und sicherere Griff, die Verlagerung des Schwerpunktes in Richtung Kameragehäuse insbesondere bei Verwendung von Zoom- und Teleobjektiven und natürlich die größere Gesamtmasse bringen bei kritischen Lichtsituationen gut und gern 1EV weniger, bei dem noch aus der Hand fotografiert werden kann. Eine rein mechanische Bildstabilisierung die ich gerne nutze auch wenn ich den Motor eigentlich nicht brauche. Oft habe ich den Motor montiert und transportiere den Film per Hand. Passanten, die zufällig ins Bild laufen, lächeln oft ungläubig in eine alte Analogkamera, während sie von digitaler Fotografie eher genervt sind. Der Analogbonus ist aber sofort dahin, sobald der Motor kreischt. In den Köpfen ist das Motorgeräusch noch allzusehr mit Paparazzis, Foto-Nerds und Stalkern assoziiert. Vielleicht auch, weil Toningenieure bei Film und Fernsehen fotografische Tätigkeiten immer noch mit Motorgeräuschen untermalen auch wenn der Protagonist eindeutig eine Digitalkamera verwendet.

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