Welche Linse für meine Kamera?

Analog-Neulinge stehen oft vor dem Problem, daß sie sich in eine alte Nikon verliebt haben und sich nun fragen, welches Objektiv am besten dazu passt. Eine berechtigte Frage, denn Uneingeweihte sind durch Bezeichnungen wie „nonAI“, „AIS“ und „AF-S“ schnell verwirrt. Bringen wir also etwas Licht ins Dunkel. Wer nicht alles lesen möchte findet am Ende des Artikels eine tabellarische Übersicht.

non-Ai-Objektiv mit „Hasenohren

Das Bajonett der Nikon-Spiegelreflexkameras blieb zwar seit 1959 prinzipiell unverändert. Die ganz alten Objektive lassen sich interessanter Weise also an moderne Digitalkameras ansetzen. Genauso wie umgekehrt moderne Autofokus-Objektive auch an eine Nikon der frühen 60er Jahre passen. Knackpunkt ist hier aber die Übertragung der Funktionen zur Belichtungsmessung und Blendensteuerung, die sich im Laufe der vielen Jahre weiterentwickelt haben. Und hier gibt es ein paar Dinge zu beachten, denn da passt es nicht mehr alles so problemlos.

Die erste Nikon Spiegelreflexkamera, die Nikon F (später „eyelevel“ genannt), hatte noch keinen eingebauten Belichtungsmesser, braucht folglich auch keine Kupplungselemente. Ebenso die spätere Nikon F2 eyelevel. MIt diesen Kameras können fast alle Nikkore bis hin zu AF-S-Objektiven verwendet werden, allerdings nur wenn noch ein Blendenring vorhanden ist.

Nikkormat EL mit Nikkor 50/1,4 nonAI

Spätere Modelle verfügten dann aber über einen im Gehäuse oder Wechselsucher integrierten Belichtungsmesser. Dieser bekam die am Objektiv eingestellte Blende über eine Kupplung mitgeteilt, die sogenannten „Hasenohren„. Am Blendenring des Objektives war ein kleiner geschlitzter Blechwinkel angebracht, der in einen beweglichen Kupplungsstift am Kameragehäuse geführt wurde. Der Objektivwechsel gestaltete sich dadurch etwas fummelig.  Die passenden Objektive dazu werden heute mit der Bezeichung „nonAI“ versehen, um auszudrücken, daß sie noch keine AI-Kupplung (mehr dazu unten) besitzen. Je nach Baujahr und äusserem Design gibt es dann noch die Unterscheidung in A-, C -und K-Typen. Das soll aber jetzt hier nicht weiter interessieren. Auch bei Nikonclassics finden Sie diese Objektive unter der Rubrik „nonAI“. An die zugehörigen Kameras passen aber ausserdem auch die neueren Nikkore mit der Bezeichnung „AI“ und „AIS“, die noch über Hasenohren verfügen, nicht jedoch die der „Series E“. Dies betrifft die Kameramodelle Nikon F Photomic (alle), die Nikon F2, F2S und F2SB. Ausserdem die Nikkormat FT, FTN, FT2, EL und EL-W. Eine Übersicht dazu finden Sie hier.

AI-Kupplung

Um den Objektivwechsel flüssiger zu gestalten ersannen die Nikon-Ingenieure in den 70er Jahren die AI-Kupplung.  Im Blendenring war nun nur noch eine Stufe, die in einen radial geführten Mitnehmer am Bajonett der Kamera einhakte. Allen Nikon-Gehäusen ab Baujahr 1977 wurde diese AI-Kupplung verpasst. Ebenso wurden die Objektive auf AI umgestellt, zusätzlich wurden an allen manuellen Objektiven weiterhin die Hasenohren montiert, damit sie noch an die oben genannten älteren Kameramodellen passten. Allerdings wurde bei den AI-Objektiven die Mitnehmergabel mit zwei weiteren Löchern versehen, damit die zweite kleine Blendenskala, die in den Sucher einiger Kameras eingespiegelt wurde, besser ablesbar war. Womit auch gleich die auffälligsten Unterscheidungsmerkmale erwähnt sind, denn nonAI-Linsen haben nur eine Blendenskala und einen Schlitz in der Mitnehmergabel.

Viele Jahre lang bot Nikon übrigens noch an, die alten nonAI-Objektive mit einem neuen Blendenring zu versehen und damit AI-kompatibel zu machen. Diesen Service gibt es zwar nicht mehr, aber viele alte konvertierte Objektive sind noch im Umlauf. Heute gibt es nur noch die Möglichkeit, den Blendenring bei nonAI-Objektive partiell abzufräsen, um so eine AI-Kupplung zu erzeugen. Das sollte man wenn überhaupt aber Fachleuten überlassen.

Dann gibt es neben den AI-Nikoren aber verwirrender Weise noch welche mit der Bezeichung AIS. Die Unterschiede sind marginal und hier erklärt, wir lassen die beiden mal in einer Rubrik. Zu erwähnen sind aber die „Nikon Series E“-Objektive (hier mehr dazu). Sie haben keine „Hasenohren“, passen also wirklich nur an Kameras ab 1977.

Nikon FE mit Nikkor 50/1,4 AI

Zusammenfassend lässt sich sagen, daß für die Nikons nach 1977, also die FM2/FM2n, FE2, FM3a, FA, EM, FG, FG-20 und F301 Objektive mit der Bezeichung „AI“ und „AIS“ sowie „Series E“ bestens geeignet sind. Das gilt auch für die Nikkormat FT3 sowie die Nikon F2A, F2AS, EL2, FM, FE, F3 und F3HP. Die letztgenannten können Dank eines umklappbaren Blendenmitnehmers aber ausserdem auch mit „nonAI“-Nikkoren betrieben werden, deren breiterer Blendenring die AI-Kupplung des Kameragehäuses sonst blockieren würde. Allerdings muss die Blende zur Belichtungsmessung mittels Abblendtaste geschlossen werden. Eine etwas unpraktische Notlösung, die auf Dauer nicht unbedingt zu empfehlen ist.

An allen im vorigen Absatz genannten Kameras lassen sich darüber hinaus aber auch Autofokusobjektive verwenden. Natürlich nur im manuellen Betrieb, auf den die AF-Nikkore nicht grade optimiert sind und der sich deshalb manchmal etwas klapprig anfühlt. Mehr dazu, und auch mehr zur Kompatibilität von analogen Autofokuskameras lesen Sie hier.

Der Übersichtlichkeit halber gibt es das im Text gesagte noch mal als Tabelle. Die genannten Kameras und Objektive erhalten Sie je nach Verfügbarkeit bei Nikonclassics.

 

 

5 Gedanken zu „Welche Linse für meine Kamera?

  1. Thomas

    Danke für diese Übersicht, deren Einleitung meine aktuelle Situation perfekt beschreibt. Vom analogen Mittelformat zum Kleinbild zurückkehrend, haben es mir die frühen Nikons wegen ihrer besonderen Ästhetik, aber auch wegen der technischen Parameter, sehr angetan. Da ist es schnell verwirrend, welches Objektiv an die auserwählte Kamera passt … aber jetzt lichtet sich der Nebel!

    Antworten
  2. Thomas

    Ein sher schöner Beitrag, vielen Dank dafür. Ich habe eine Frage zum 50mm-Pancake. Das finde ich zwar in seiner kompakten Bauweise sehr schön, aber nun habe ich große Hände und bin in Sorge, den Blendenring nicht gut greifen zu können. Etwas Ähnliches hatte ich schon bei einer kleinen Yashica erlebt, wo die Blendeneinstellung jeweils zum fummeligen Filigran-Akt wurde. Hat da jemand Erfahrungen, ob sich Pancake und „normal“ in der Bedienbarkeit sehr unterscheiden?
    Vielen Dank!
    Thomas

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    1. Nikonclassics Artikelautor

      Hallo, nach meiner Erfahrung geht das problemlos auch mit großen Händen. Das Objektiv ist ja nur vorne kürzer.
      Viele Grüße,
      Norbert Michalke, Nikonclassics

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  3. Jochen

    Hallo !
    Die Tabelle ist nicht ganz korrekt. Bei der F4 kann man , wie bei der FE etc. , den Blendenkupplungshebel ebenfalls hochklappen. ( Die F5 konnte man bei Nikon umbauen lassen).
    Bei den DSLR’s ist es die DF bei der man den Blendenkupplungshebel hochklappen kann.
    somit wäre die F4 die analoge Kamera an die die meisten verschiedenen Objektive passen.
    Von NON-AI bis AF-S G-Type ( in P und S ).
    Und mit einer umgebauten F5 hätte man mit den neueren VR-Linsen dann sogar die VR-Funktion.
    Gruß
    Jochen

    Antworten
    1. Nikonclassics Artikelautor

      Hallo Jochen,

      Sie haben Recht. Werde ich bei Gelegenheit mal anpassen.

      Viele Grüße,
      Norbert Michalke

      Antworten

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