…und es ward Licht. Blitze für Analogkameras

Der Nikon SB-10, ideal für Kameras wie Nikon FM oder FM2. Zwei Automatikbereiche, Blitzbereitschaftsanzeige im Sucher. Leitzahl 25 (100ASA)

Der „Computerblitz“ Nikon SB-10, ideal für Kameras wie Nikon FM oder FM2. Zwei „Computerblenden“ und Blitzbereitschaftsanzeige im Sucher. Leitzahl 25 bei 100 ISO

Ein Blitzgerät stellt eine einfache Möglichkeit dar, Fotos auch dann noch zu machen, wenn es eigentlich dafür zu dunkel ist. Im Folgenden möchte ich kurz die Funktionsweisen der verschiedenen Entwicklungsstufen der Blitzgerätetechnik erläutern. Sie waren ja nicht immer so ausgefeilt wie sie heute sind.

Kolbenblitz Nikon BC-7

Kolbenblitz Nikon BC-7

Nachdem in der Frühzeit der Photographie noch mit brennbarem Magnesiumpulver hantiert worden war, kam man bald auf die Idee, ein Magnesiumband in sauerstoffgefüllte Glasbirnchen zu verbannen, die dann über eine Batterie gezündet wurden. Der rauchfreie Kolbenblitz war geboren. Das gleiche Prinzip kam auch in den beliebten Blitzwürfeln zur Anwendung, die noch in den 70er Jahren bei einfachen Amateurkameras breite Anwendung fanden. Kolbenblitzbirnen und Blitzwürfel brannten aber nur einmal mit voller Leistung ab und waren danach verbraucht – eine auf Dauer nicht sehr wirtschaftliche Lösung. So entwickelten schlaue Erfinder den Elektronenblitz, bei dem in einem mit Edelgasen gefüllten Glasröhrchen durch das kurzzeitige Anlegen einer Hochspannung von über 1000 Volt ein sehr kurzer, aber heller Blitz erzeugt wird. Da bei diesem Vorgang nichts verbrennt, ist diese Blitzröhre beliebig oft wiederholt einsetzbar, der Wegwerfblitz war passé.

Speziell für die Kameramodelle Nikon EM und FG-20 ist der SB-E konzipiert. In Verbindung mit diesen beiden Kameras verfügt er über drei Computerblenden, die direkt am Kameraobjektiv gewählt werden. Dies bedeutet einen Komfort wie bei den TTL-Geräten, obwohl die Lichtdosierung über die Meßzelle im Blitzgerät erfolgt.

Speziell für die Nikon EM und FG-20 ist der SB-E konzipiert. In Verbindung mit diesen beiden Kameras verfügt er über drei Computerblenden, die direkt am Kameraobjektiv gewählt werden.

Wie nun aber die Kamera einstellen? Da lautete die Faustregel: Blitzstärke („Leitzahl“) geteilt durch Entfernung gleich Blende. Also musste zum Beispiel bei einem Blitzgerät mit Leitzahl 24 und einem Motivabstand von 3 Metern die Blende 8 an der Kamera eingestellt werden, 100 ISO vorausgesetzt. Sehr umständlich.  Man kam zwar auf die Idee, die Blendeneinstellung mit der Enfernungseinstellung zu koppeln und so für die richtige Belichtung zu sorgen, aber wirklich praktikabel war das nicht. Von  Nikon gab es nur ein Objektiv, das das konnte (das GN-Nikkor 45/2,8). Findige Ingenieure entwickelten aber bald eine Automatik, die während der Aufnahme über eine im Blitzgerät eingebaute Messzelle das vom Motiv reflektierte Licht messen konnte und so die Blitzleistung entsprechend anpasste. Man nannte diese Technik damals etwas hochtrabend „Computerblitz„, obwohl das natürlich mit unseren heutigen Computern wenig zu tun hat. Aber immerhin vereinfachte es die Blitztechnik enorm. Bei etwas besseren Blitzgeräten waren mehrere „Computerblenden“ wählbar, der Fotograf musste nur drauf achten, an der Kamera die gleiche Blendenzahl einzustellen wie am Blitz. Der Nikon-Blitz SB-10 ist ein typischer Blitz aus dieser Zeit.

Der Nikon SB-12 ist ein Blitzgerät speziell für die F3-Reihe und ermöglicht Blitzaufnahmen mit TTL-Messung

Der Nikon SB-12 ist ein Blitzgerät speziell für die F3-Reihe und ermöglicht Blitzaufnahmen mit TTL-Messung

Die im Blitzgerät eingebaute Messzelle hatte aber den Nachteil eines festen Blickwinkels, was bei extremen Weitwinkel- oder Teleaufnahmen zu Fehlbelichtungen führen konnte.  So kamen die fleissigen Techniker auf die Idee, diese Messzelle vom Blitzgerät in die Kamera zu verlegen. Gemessen wurde jetzt das während der Belichtung vom Film reflektierte Licht, die Blitzleistung in Echtzeit dabei angepasst. Das funktionierte natürlich mit jeder Brennweite gleich gut, und auch die Blende musste nicht mehr am Blitzgerät eingestellt werden, denn sie wurde ja schon im Ergebnis berücksichtigt. Diese Methode wurde „TTL-Blitzen“ (Through The Lens) genannt. Dabei mussten sich allerdings das Blitzgerät und die Kamera gut miteinander verstehen, sprich elektronisch kompatibel sein. Da kochte nun jeder Kamerahersteller sein eigenes Süppchen und der Systemkuddelmuddel begann. Bei Nikon ging es 1980 los mit dem SB-11 für die F3. Es folgten eine Vielzahl von Geräten, die sich in Leistung und Ausstattung unterschieden. Einfache Blitze haben einen starren oder nur nach oben schwenkbaren Reflektor, die leistungsstarken Profimodelle verfügten über einen rundum schwenkbaren Blitzkopf. Der SB-24  und SB-26 sind klassische TTL-Blitze dieser ersten Generation aus den späten 80ern und 90ern. Sie verfügen auch über ein „AF-Illuminator“ genanntes Hilfslicht, das Autofokus auch bei Dunkelheit ermöglicht. Mit den aufkommenden „D“-Nikkoren wurde auch die eingestellte Entfernung mit in der Belichtungsmessung berücksichtigt. Ausserdem wurden Features wie „3D-Multisensor-Aufhellblitz“, „FP-Kurzeitsynchronisation“ und „Matrixgesteuerte Blitzbelichtung“ eingeführt. Lassen Sie sich nicht verwirren: so wichtig ist das alles erst mal nicht. Wer es genau wissen will, kann das hier alles nachlesen.

Der SB-24 war das Flaggschiff der Autofokus-Reihe und bot eine moderne Ausstattung. Zum Beispiel die automatische Brennweitenanpassung und die Synchronisation auf den zweiten Verschlußvorhang. Zusätzlich zur TTL-Steuerung gibt es 6 Computerblenden von 2 bis 11 und 5 manuelle Leistungsstufen. Ausserdem ist Stroboskopbetrieb möglich.

Der SB-24 bot als Flaggschiff der AF-Reihe automatische Brennweitenanpassung und Synchronisation auf den 2. Verschlußvorhang. Zusätzlich zur TTL-Steuerung gibt es 6 „Computerblenden“ und 5 manuelle Leistungsstufen. Auch Stroboskopbetrieb ist möglich.

Dann wurde Fotografie digital. Und die Messung während der Belichtung funktionierte nicht mehr, denn der Sensor oder genauer gesagt der Anti-Aliasing-Filter reflektierte das Licht ganz anders. Es kam also wieder etwas neues: die TTL-Blitzsteuerung mit Messblitz. Dabei wird nach dem Hochklappen des Spiegels kurz vor der Belichtung ein schwacher Vorblitz erzeugt, dessen Reflexion von dem noch geschlossenem Schlitzverschluss  zur Ermittlung der nötigen Blitzstärke des Hauptblitzes verwendet wird. Nikon nannte dieses Verfahren D-TTL. Vertreter dieser Gattung sind die Blitze SB-28DX, SB-50DX und SB-80DX. D-TTL wurde von Nikon nur bei der ersten Serie digitaler Spiegelreflexkameras eingesetzt (D1-Serie und D100)

Dieses Verfahren erwies sich allerdings nicht als sehr zuverlässig, es wurde weiterentwickelt und so wurde Nikons D-TTL ab 2003 von dem derzeitig aktuellem i-TTL abgelöst. Hierbei wird die Blitzmessung komplett von der Kamera übernommen und findet auf der Suchermattscheibe statt. Der Messblitz wird bei noch geöffneter Blende abgegeben, bevor der Spiegel umklappt. Erstmals sieht der Fotograf nun den Blitz im Spiegelreflexsucher, auch wenn es noch nicht der Hauptblitz ist. Ausserdem wurde das drahtlose Steuerungssystem Nikon CLS integriert. Alle Nikon-Blitze mit dreistelliger Zahl  sind i-TTL-Blitze, wobei SB-800 und SB-600 als einzige ausserdem auch D-TTL beherrschen.

Der Nikon SB-15 kann TTL-blitzen mit der Nikon F4, FE-2, FA, FG, EM, FG-20 und F-301 bis F-801 Zwei Automatikbereiche, Schwenkreflektor, PC-Anschlussbuchse z.B. für Funkauslöser. Leitzahl 25 (100ASA).

Der Nikon SB-15 kann TTL-blitzen mit der Nikon FE-2, FA und anderen. Zwei Automatikbereiche, Schwenkreflektor, Leitzahl 25 (100ASA).

Bei den älteren, analoge Kameras stellt sich nun die Frage, welcher Blitz zu welcher Kamera passt. Die gute Nachricht zuerst: Im wesentlichen ist alles abwärts kompatibel, d.h. die neueren Blitzgeräte funktionieren auch mit älteren Kameras. So könnten Sie auch eine 80er-Jahre Nikon FE-2 mit einem SB-800 mit TTL-Blitzmessung betreiben. Allerdings sind die aktuellen Blitzgeräte ab SB900 nicht mehr mit Analogkameras kompatibel.

Natürlich passt zu einer analogen Kamera stilistisch besser ein Blitzgerät aus der jeweiligen Zeit. Bei der F, F2 und F3 ist noch zu beachten, dass sie keinen Standard-Blitzschuh haben, sondern spezielle Blitzgeräte (oder Adapter) benötigen. In der folgenden Übersicht ein paar gut passende Kombinationen von Kompaktblitzen mit Analogen Kameras:

Nikon FSB-2
Nikkormat EL, FT2, FT3SB-3, SB-4
Nikon F2SB-7
Nikon EL2, FM, FE, FM2SB-9, SB-10
Nikon FE2, FA, FM3aSB-15, SB-16B
Nikon EM, FG20SB-E, SB-19
Nikon F3, F3HPSB-12, SB-16A, SB-17
Nikon FGSB-15, SB-18
Nikon F501, F601, F801SB-20, SB-22, SB-23
Nikon F4SB-24
Nikon F90, F100SB-25, SB-27
Nikon F5SB-26, SB-28
Nikon F6SB-800

Das sind aber ein nur paar Empfehlungen, weitere Kombinationen sind durchaus möglich. Viele diese Blitzgeräte finden Sie im Angebot von Nikonclassics. Alle oben erwähnten Nikon-Blitze aus der analogen Zeit sind auch mit Digitalkameras verwendbar, allerdings ist kein TTL-Blitzen möglich. Es können jedoch die „Computerblenden“ verwendet werden. Nicht berücksichtigt in der Aufstellung sind die Stabblitze SB-5 und SB-11(TTL) sowie die Makroblitze SB-21 und SB-29(TTL).

Weiterführende links:

Nikon System online

Wikipedia

Wayne Fulton

2 Gedanken zu „…und es ward Licht. Blitze für Analogkameras

  1. Martin Fritz

    Guten Tag

    Kann die F80 mit einem entsprechenden Kameradeckel umgerüstet werden auf digitale Fotografie? (vorhandene Objektive Nikkor 70-300 und Sigma 24-70D)
    Besten Dank für Ihre Hilfe.

    Mit freundlichen Grüssen

    M. Fritz

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