Was ist besser: Ai oder AiS?

Diese Frage wird mir oft von meinen Kunden gestellt, die ein manuelles Nikkor kaufen möchten. Und sie ist einfach zu beantworten: Es ist egal. Eigentlich. Zunächst einmal zum Unterschied zwischen Ai und AiS.

AiS-Objektive entstanden ab 1983, als die Blendenmechanik der Ai-Objektive zur automatischen Blendensteuerung angepasst wurde. Diese Modifikation wurde mit Einführung der Nikon FA notwendig, welche neben Zeitautomatik und Nachführmessung erstmalig auch Blenden- und Programmautomatik bot. Bei AiS-Objektiven konnte nun die Öffnung der Blende durch die Kamera genauso genau gesteuert werden wie dies mit einer manuellen Einstellung des Blendenrings möglich ist.

Erkennen kann man AiS-Objektive an zwei äusserlichen Merkmalen: Die kleinste Blende auf der kleinen Skala ist in Orange markiert, z.B. die Blende 22. Ausserdem gibt es eine kleine Vertiefung auf der Rückseite des Bajonettanschlusses, etwas oberhalb der Kerbe für die Objektivverriegelung. Diese erlaubt bestimmten Nikon Kameras (z.B. der FA) zu erkennen, ob ein Ai- oder AiS-Objektiv angeschlossen ist.

Nun aber die gute Nachricht: Für alle geeigneten Digital-Nikons (siehe hier) und auch für die analogen EM-, FM-, FE-, F2-, und F3-Serien ist es völlig ohne Bedeutung, ob Sie ein AI- oder ein AIS-Objektiv verwenden. Hier steht ja sowieso keine Blenden- oder Programmautomatik zur Verfügung. Deswegen wird die modifizierte Blendenansteuerung nicht benötigt. Allerdings wurden bei einigen Objektiven (zum Beispiel beim 28/2,8 und beim 180/2,8) im Zuge der Erweiterung auf AiS auch eine optische Neuberechnung bzw. Überarbeitung vorgenommen. Viele andere AiS-Nikkore sind aber im optischen Aufbau mit ihrem Ai-Vorgänger völlig identisch.

 

9 Gedanken zu „Was ist besser: Ai oder AiS?

  1. Gereon Gerritz

    …und dennoch scheint es zuweilen Qualitätsunterschiede zu geben (s. Björn Rörslett’s Objektivbewertungen), z.B. beim 28mm f2.8 ai/s. Oder hängt das vom jeweiligen Erhaltungszustand ab?
    Ich bin da hin und her gerissen, denn ich hätte gern eines;)

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  2. Roswitha Bröhl

    Heute erst wurde ich auf Ihre Seite bzw. Angebote aufmerksam.
    Vor Jahren hatte ich Nikon F Kamera. U.A. hatte ich ein Nikkor 50mm 2.0 mit
    sagenhafter Schärfe und Brillanz.
    Frage: Kann ich dieses Objektiv an einer Finepix S 5Pro benutzen ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Roswitha Bröhl

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  3. Jan

    Noch eine Frage zum Thema.
    Was ist denn mit der FG aus dem Jahre 1982? – Diese hat doch auch bereits zwei Automatik-Modi: A und P.
    Kann diese Kamera denn dann nicht auch schon etwas mit den Ai-S-Objektiven anfangen?

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    1. Nikonclassics Artikelautor

      Ganz richtig, die FG war die erste Nikon SLR mit Programmautomatik. 1982 gab es aber noch keine AIS-Objektive (die kamen erst ein Jahr später). So behalfen sich die Nikon-Ingenieure mit einen Kniff: kurz vor der Auslösung, wenn die Blende schon auf den berechneten Wert geschlossen war, erfolgte eine zweite Messung. Falls die effektive Blende von der eingestellten abwich, wurde die Belichtungszeit entsprechend angepasst. Die Nikon FG kann auch (anders als die FA) nicht zwischen AI und AIS-Objektiven unterscheiden. Aber sie verfügt schon über den Abtaststift zur Erkennung der Brennweite.

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  4. Ulf Krentz

    Vielleicht noch für Videoanwendungen interessant, die AI Nikkore haben in der Regel einen größeren Drehwinkel für den Focus und eignen sich daher besser zum präziseren Schärfeziehen.

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  5. Judith Schenten

    Hallo Herr Michalke,
    erst einmal Danke für Ihren wunderbaren Blog – er macht Spaß und ist sehr informativ! Eine Frage habe ich noch zur FA. Verstehe ich es richtig, um die Blenden- bzw. Vollautomatik an ihr nutzen zu können benötige ich ein AiS Objektiv?

    Herzlich Judith Schenten

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      1. Christoph Müler

        Das ist definitiv falsch.
        Die FA funktioniert mit AI und AIS-Objektiven in allen Belichtungsbetriebsarten.
        Bei Programm- bzw. Blendenautomatik kann die Belichtungszeit allerdings, abhängig vom verwendeten Objektiv, bis zu einer Stufe länger ausfallen, als im Sucher angezeigt (siehe auch Bedienungsanleitung der FA, Seite 27). Die FA misst hier nach dem Schliessen der Blende erneut die Belichtung und passt nach Bedarf die Belichtungszeit an, so wie alle Nikons seither in Programm- und Blendenautomatik, das hat sich wohl erst mit Einführung der neuesten E-Objektive geändert, welche aber sowieso nur mit den neuesten Digitalkameras kompatibel sind.
        Ausserdem kann die FA bei AI-Objektiven die Brennweite (kleiner/gleich 105 mm bzw. grösser/gleich 135 mm) nicht erkennen und bei Programmautomatik nicht zwischen Normal- und Kurzzeitprogramm unterscheiden und belichtet immer im Normalprogramm.
        AF, AF-D, AF-P, Serie E und AF-S-Nikkore mit Blendenring sind übrigens auch AIS-Objektive und somit an der FA verwendbar.
        mfg
        c.müller

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