Nikons „Billig“-SLRs

dsc_0026Ende der 70er Jahre tat sich merkwürdiges bei Nikon. Die Marketing-Leute stellten fest, dass neben den robusten Profi-Modellen und der semiprofessionellen FM/FE-Reihe ein weiteres Marktsegement abgedeckt werden sollte: eine einfache Kamera „für Anfänger und Frauen“ (sic!) sollte her. Also wurde ein spartanisch ausgestattetes Simpel-Modell konzipiert und vom italienischen Designer Giorgetto Giugiaro, der auch zeitgleich die F3 entwarf, in eine schöne Form gebracht. Heraus kam die Nikon EM, die kleinste und leichteste (und billigste!) je gebaute Nikon.

Sie verfügte lediglich über eine Zeitautomatik; manuelles Einstellen der Belichtungszeit war ausser der mechanischen M90 und B (für Zeitaufnahmen) nicht möglich. Bei
Verwacklungsgefahr warnte ein hohes Piepsignal. Vielleicht machten grade diese Features die EM so beliebt bei den schon erwähnten Anfängern, die sich nicht um technische Finessen scherten und einfach nur gute Urlaubsbilder machen wollten. Immerhin stand ja auch mit dieser kleinen Kamera, die übrigens nur in modischem schwarz erhältlich war, das gesamte Nikon-Objektivprogramm zur Verfügung. Zusätzlich kamen die preisgünstigen Series E-Objektive dazu. Die Nikon EM war recht beliebt: bis 1984 wurden immerhin über 1,5 Millionen Exemplare verkauft.

DSC_7747Dann aber gab es ein Nachfolgemodell, und das war eine Sensation: die erste Nikon mit einer Programmautomatik, Nikon FG genannt. Sie war genauso klein wie die EM, hatte aber zur besseren Handhabung links an der Frontseite einen praktischen Griff. Der konnte zur Montage des zusätzlich erhältlichen Motorantriebs MD-E oder MD-14 mit einer Münze abgeschraubt werden. In diese kleine Kamera wurde ein Haufen moderner Technik gesteckt: Verschlusszeitenanzeige mit einer LED-Reihe im Sucher, Programmautomatik, Zeitautomatik und manuelle Verschlusszeiteneinstellung sowie erstmalig eine TTL-Blitzmessung, bei der das während der Belichtung vom Film reflektierte Licht gemessen und der Blitz entsprechend gesteuert wird. Diese Methode der Belichtungsmessung beruhte auf Patenten von Minolta und wurde auch an der Olympus OM-2 verwendet.

Von der Ausstattung her ist die FG also eine vollwertige Spiegelreflexkamera, die kleinen Abmessungen und das dank Leichtbauweise sehr geringe Gewicht von nur 490 Gramm macht sie zu einer idealen Reisekamera. Deshalb ist sie auch ein kleiner Nikonclassics-Geheimtip, denn die Möglichkeiten dieser völlig zu Unrecht fast in Vergessenheit geratenen Schönheit werden immer noch unterschätzt. Sie war damals übrigens in silberner und in schwarzer Ausführung erhältlich, wobei letztere weit weniger beliebt war und deshalb heute eher selten zu finden ist.

dsc_73151984 erschien die FG-20, eine abgemagerte Version der FG. Es fehlten Programmautomatik, TTL-Blitzbelichtungsmessung und Belichtungskorrekturskala. Die LED-Reihe im Sucher wurde durch eine billigere Zeigeranzeige ersetzt, manuelle Zeiteneinstellung ist aber weiterhin möglich. Der abnehmbare Handgriff entfiel, aber die kompakten Maße blieben erhalten, und so ist die FG-20 eigentlich eher eine verbesserte EM (und so wurde sie auch vermarktet).

Erhältlich sind diese schönen Kameras natürlich auch heute noch – mit etwas Glück – bei Nikonclassics!

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