Wo bleiben die Design-Innovationen ?

Letztens beklagte ich mich darüber, dass sich bei Digitalkameras alles so schnell weiterentwickelt. Bei genauerem Nachdenken kann man aber auch zu dem gegenteiligen Schluss kommen: Die wirklichen Innovationen stehen noch aus! Denn geändert hat sich seit 20 Jahren „nur“ die Technik; das Gehäusedesign ist diesen Weiterentwicklungen nicht hinterher gekommen.

Nikon F100, anno 1999

Nikon F100, anno 1999

Der Beweis ist die 16 Jahre (!!) alte analoge Nikon F100. Sie sieht im Prinzip schon fast genauso aus wie die neuesten Digital-Nikons. In der Mitte das Objektiv, rechts der Griffwulst, links ein Vorsprung und oben drauf das Pentaprisma. Diese Bauweise war bei analogen Kameras unumgänglich, denn schliesslich musste der Film aus der Patrone am Verschlussfenster vorbei transportiert und auf der anderen Seite wieder aufgewickelt werden. Platz für den Spiegelreflexsucher war nur darüber.

Das ist aber bei Digitalkameras nicht mehr so! Das Einzige, was unverändert bleiben muss ist der Objektivanschlus mit dem Chip dahinter. Diese Einsicht scheint aber in den Entwicklungsabteilungen der grossen Kamerahersteller noch nicht recht angekommen zu sein, weshalb wir uns also weiterhin am Display die Nase platt drücken müssen.

Dabei könnte das Design des Kamerabodies doch heute wesentlich freier gestaltet werden, zum Beispiel mit einer Griffhaltung ähnlich einer Videokamera. Ansätze sind hier bei der Pentax 645z zu sehen, die allerdings Formatmässig in einer anderen Liga spielt. Interessanter Weise sehen wir aber auch hier die Designanlehnung an analoge Mittelformatkameras, bei denen ja der Film senkrecht am Bildfenster vorbeilief und dann dahinter aufgewickelt wurde.

Warum kommen die Hersteller nicht mal auf die Idee, zum Beispiel eine Kamera mit einem runden Chip zu bauen? So könnte die Umschaltung von Hoch- zu Querformat einfach softwaremässig erfolgen;  das Kippen der Kamera sowie ein Hochformatauslöser wären überflüssig! Als Dreingabe könnte zusätzlich auch ein quadratisches Bildformat von 30x30mm angeboten werden!

Und wo bleibt eigentlich die Spiegellose Vollformatkamera von Nikon? Ist es nicht eine ziemliche Blamage, dass der Fotoneuling Sony schon seit 2013 mit der hervorragenden Alpha7 auf dem Markt ist, vom Nikon dagegen nichts ähnliches in Sicht ist? Dabei böte eine Nikon-FX-kompatible Mirrorless, also quasi eine grosse Nikon1 bestimmt viele Vorteile gegenüber einer DSLR.  Ausgestattet mit einem vollelektronischem „Verschluss“ wie in der Sony Alpha7s wäre sie absolut lautlos und erschütterungsfrei.

Wir sehen also: Es ist noch Luft nach oben – sind wir gespannt! Und was das alles mit Nikonclassics zu tun hat? Nichts. Ich wollte es nur mal loswerden…

15 Gedanken zu „Wo bleiben die Design-Innovationen ?

  1. Bernhard

    naja, also einen elektronischen Sucher will ich zumindest nicht. Der ganze Hype geht mir persönlich auf die Nerven, denn:
    – Stromverbrauch nervt: Kamera muß ständig eingeschaltet und aktiv sein
    – Sensor erwärmt sich: Abträglich für Rauschen
    – Was will ich mit einem Mini-Gehäuse an einem 2.8/400? Ich hab sowieso an jeder SLR einen Batt-Griff wegen der Ergonomie

    Fazit: mag OK sein für eine Taschenkamera (hab auch eine MFT für Gelegenheitsfotos), aber für das „Arbeitsgerät“?

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  2. Randle P. McMurphy

    Hallo Norbert,
    was hatten wir nicht alles schon selbst zu Analogzeiten ?
    Zugegeben ist der Markt im Profi und Edelamateurbereich
    etwas „konservativ“ aber das heißt ja nicht das man alle
    10 Jahre den „Spaten“ (Arbeitsgerät) neu erfinden muß oder ?
    Die SLR in ihrer (analogen) Endphase ist mit der Nikon F6
    und Canon EOS 1 V doch eigentlich zur Perfektion gekommen.
    Würde die Umordnung der Elemente eine praktische Steigerung
    bringen ? Oder ist ein kleineres Gehäuse überhaupt wünschenswert ?
    Ich denke „außenrum“ paßt es und die inneren „Werte“ wurden doch
    zeitgemäß angepasst in dem man Sensonen mit astronomischen Auflösungen
    und Empfliundlichkeiten verbaut hat – was soll da noch besser werden ?

    By the way – ich hatte Gestern einen freien Tag und mal wieder meine olle
    Hasselblad 500 C und das 150er Sonnar für ein paar Portraits ausgepackt.
    Irgendwie hatte ich das Gefühl der Perfektion und Wertigkeit die mir so bei
    aktuellen Knipsen nicht „aufpoppt“………….

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    1. Nikonclassics Artikelautor

      Randle, ich meine, dass zu Filmzeiten der Film die Gehäuseform vorgab. Er musste ja irgendwo ab- und aufgewickelt werden. Das ist heute nicht mehr so. Da könnten die Designer viel freier sein. Sind sie aber offenbar nicht. Und ein Gehäuse, dass man für Hochformatbilder nicht mehr kippen muss, hätte was. Momentan bleiben alle noch bei der traditionellen Form: Kleinbild und Mittelformatkameras und auch die (Bewegt-)Filmkameras. Wär aber nicht nötig…

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  3. Achim Kostrzewa

    Die klassische Form der KB Gehäuse IST die Folge einer langen Entwicklung!
    Warum sollten Digitale Gehäuse generell anders konstruiert werden?
    Die Ergonomie ist doch prima!
    Auch für HF…
    Die QWERTs Tastatur hat auch die Computerindustrie beibehalten, warum wohl?
    Ich möchte sowohl Spiegelkasten wie Form beibehalten

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  4. Ulf Nohl

    Ein schwieriges Thema.
    Würde ich ein Auto mit Joystick anstelle eines mit einem klassischen Lenkrad fahren? Niemals! Mit Elektroantrieb? Ja!
    Ich halte eine Reihe von Entwicklungen für ausgereizt und nicht mehr verbesserungswürdig. Dazu zählen im Bereich der Fotografie das Design des klassischen SLR-Gehäuses und insbesondere das Gehäuse der Leica M3.
    Gut, über den Wegfall des Spiegels könnte man reden. So wie über alle inneren Werte. Über die äußeren Formen erst dann, wenn die Evolution den Aufbau unserer Hände und Augen verändert hat. Meine ich. Dann würde es allerdings sehr schwer, noch die alten analogen Gehäuse zu verkaufen. 🙂

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  5. Frieder Rosenfelder

    Die Entwicklung der heutigen Gehäuseform folgte den Gegebenheiten der analogen Fotografie. Diese Form hat sich aber zumindest teilweise längst überholt. Wenn ich es richtig verstanden hab: Anpassen um jeden Preis? Nein! Aber anpassen an technische Weiterentwicklungen (Sensor statt Film oder eventueller Wegfall des mechanischen Spiegels) – ja, warum denn nicht, wenn es die Handhabung erleichtern kann? Hat man ja auch schon versucht (Beispiel Olympus), das kam aber bei einer wohl eher konservativen Fotografengemeinde nicht so recht an. Schade.

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  6. Daniel Casper Freiherr von Lohenstein

    Hallo die Herrschaften,

    ich will nichts anderes als einen digitalen Film in Form einer Filmpatrone, die ich in meine FM-2n einlegen kann. Kein Display, kein Aufpoppblitz, keine Automatiken, kein Autofokus, kein Motor (für Spiegel, Verschluss usf.), kein Bracketing, kein variables Fokusmessfeld mit Kreuzsensor und Navigationsknopf.

    Nur eine digitale Filmpatrone, Micro-SD-Steckplatz 8GB, wahlweise eine schwarzweisse oder eine in Farbe, oder alles einfach nur RAW, und alles wird gut.

    Gruss

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  7. Rennfahrer

    Ich finde das Design der F100 grandios, ebenso das fast ähnliche Design der aktuellen D800. Ich habe beide Kameras und komme damit problemlos zurecht. Beide Kameras liegen gut in der Hand, lassen sich intuitiv bedienen und funktionieren absolut zuverlässig. Wozu sollte man das ganze ändern, wenn es sich so bewährt hat?
    Ich hab öfters über den Tellerrand geguckt und auch genug Kameras ausprobiert, die durch „innovatives Design“ geglänzt haben, so z.B. verschiedene Sony Modelle, und diverse Kompaktkameras. Schlussendlich zog es mich immer wieder zurück zum altbewährten Desing und zur altbewährten Technik.
    Auch kann ich der spiegellosen Technik nichts abgewinnen. Ich will durch den Sucher gucken, das Bild sehen und abdrücken. Im Mäusekino der Spiegellosen gelingt das nicht immer: bis das Bild erscheint, ist richtige Moment vorbei.

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  8. Andreas Lipp

    Hallo zusammen,
    schade, daß ich erst jetzt wieder hereingeschaut habe.
    Das mit dem runden Sensor habe ich mir nämlich seit längerem schon oft gedacht. Dies in Verbindung mit den gespeicherten Lageinformtionen könnte schon lange Stand der Technik sein.
    Der mechanische Teil mit Schlitzverschluß und vor allem Spiegel mit Prisma ist längst Schnee von gestern. Zum schnellen Schießen tut es ein Sportsucher bei weitem besser. Für Landschafts- und Intérieuraufnahmen benötige ich ebenfalls keinen Reflexsucher. Den hat die Alpa (oder die Technika, oder, oder) auch nicht…
    Das Problem ist, daß sich Otto Normalverbraucher eben nur schwer von seinen gewohnten Dingen trennt. Oder warum haben sich Autos mit Schaltgetriebe solange am Markt gehalten? Ganz zu schweigen vom Verbrennungsmotor; der dümmsten Technik des zwanzigsten Jahrhunderts!
    Viele Grüße
    Andreas Lipp
    N.B.: Die „digitale Filmpatrone“ halte ich für eine witzige Idee — etwa um die alten Filmkameras „aufzubrauchen“. Aber was stellen wir uns dann in die Vitrinen unserer privaten Kameramuseen? Ich für meinen Teil jedenfalls habe meine beiden F2 (eine davon unbenutzt) und die FM für immer außer Dienst gestellt.

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  9. daniel casper freiherr von lohenstein

    solange es trix und tmax100 gibt und xtol oder vitamin c, werde ich daher weiterhim undigital bleiben. es wird sowieso zuviel geknipst. ab und an ein paar dias noch, für die kinder, als erinnerung an die urlaube, das wars dann. ich verstehe jedenfalls nicht, wie man eine f2 oder eine fm2 in die vitrine stellen kann, windisch: deine kamera – lebenshunger aus glas und stahl.

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  10. Volker Kunze

    Nicht nur das äußere Design, die technischen Elemente werden sich auch völlig verändern. Ich prophezeie, in einigen Jahren wird der Sensor rund sein. (Interessant, jemand anderes hat das hier auch schon erwähnt, also nicht nur meine Idee.)
    Vollformat-FX-Objektive zeichnen einen Bildkreis von 43 mm aus. Das wäre der Durchmesser des Sensors. Die RAW-Datei speichert das ganze Bildrund. Darin ist sowohl Hoch- als auch Querformat enthalten. Und es gibt darin auch ein Quadratformat von 30 x 30 mm. Bei einem etwas breiteren Panoramaformat können wir noch Randbereiche des Objektives mit etwas mehr Weitwinkeligkeit nutzen, ein Format von vielleicht 41 x 12 mm wäre denkbar.
    War die Kamera bei der Aufnahme nicht genau ausgerichtet, kein Problem, das Bild muß nicht digital umgerechnet und dabei mit Feldverlust geradegestellt werden. Der runde Sensor hat schon die Daten des richtigen Bildes im Wasserwaagenwinkel abgespeichert.
    Fotografische Objektive neigen eigentlich zu Bildfeldwölbung, die mühevoll wegkorrigiert werden muß. Bei einem gewölbten, fast kalottenförmigen Sensor könnte eine Bildfeldwölbung beim Objektiv belassen werden. Sensoren mögen rechtwinklig auftreffende Strahlen, auch da hilft ein gewölbter Sensor in den Außenbereichen. Verzeichnungen werden weggerechnet.
    Natürlich alles Träumerei – Zukunft war vorher immer Träumerei.
    Beim schnellen Fortschreiten der Prozessor- und Speichertechnik ist schon in ein paar Jahren ein 130 MegaPixel Sensor kein Recourcenfresser mehr.
    Beeindruckend im Bereich von Innovation war Mr. Land mit der Polaroidtechnik. Alles Neuerfindung, erst recht bei der SX70. Strahlengang, eigenartige Spiegelreflextechnik, ganz neue Sofortbildtechnik ohne Schweinerei und in jedem Bilderpack eine ganz neu entwickelte Flachbatterie. Diese Kamera sah dann auch äußerlich anders aus.

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