Lang lebe Film!

filmDer amerikanische Kodak-Konzern hatte einst die Geschichte der klassischen Fotografie geprägt. Der Hersteller des ersten Fotoapparats für jedermann („you press the button, we do the rest“) wurde aber vom Wandel zu digitalen Bildern überrollt und schrieb seit mehreren Jahren rote Zahlen. Im Januar 2012 musste Kodak nach 130 Jahren Firmengeschichte und einem jahrelangen Überlebenskampf Insolvenz anmelden, die Filmsparte wurde dann im Zuge der Umstrukturierung an den britischen Pensionsfond verkauft. Nun setzt Kodak aber offenbar auf ein Revival des analogen Films. Jedenfalls kann man das glauben, wenn man das hippe Video mit jungen Fotografen sieht, die voller Überzeugung die Vorteile des althergebrachten Films gegenüber der Digitalfotografie schildern:

Ganz schön cool…

5 Gedanken zu „Lang lebe Film!

  1. Gerhard Reininger

    Ein wunderbarer Film, der zu eigenen Gedanken inspiriert…..

    Wenn ich meinen kleinen Senf dazulegen darf: ich habe für mich erkannt,
    dass ich bessere Fotos mache, sobald ich analog fotografiere. Das hat nichts
    mit der Qualität der Kamera zu tun, sondern mit Dingen wie Workflow,
    Ansprechen der Sinne, Disziplin, vermutlich auch Nostalgie. Es mag mir nicht
    gelingen, eine Digitalkamera so bewußt zu verwenden wie eine analoge. Ich
    habe es mehrfach versucht und für mich ist das Thema durch.

    Ich weiß, es gibt keinen „vernünftigen“ Grund analog zu fotografieren.
    Digital hat Film in den meisten technischen Aspekten überholt.
    Höhere Auflösung, unglaubliche ISO – Bereiche, schnellerer Workflow – ganz
    abgesehen von der Möglichkeit, das Ergebnis sofort einschätzen zu können
    und sogar Videos zu drehen. Also …. warum überhaupt darüber nachdenken?

    Nehmt mal eine analoge Kamera, öffnet eine frische Filmdose und legt den
    Film ein, zieht das Filmende heraus, gerade lang genug, um von einer Seite
    der Kamera zur anderen zu reichen, wo es von einer Spindel gepackt und
    aufgerollt wird. Bemerkt ihr etwas? Schließt einfach mal kurz die Augen und
    atmet tief ein. Es gibt einen typischen Film-Geruch. Film riecht seltsam (klar,
    das Medium ist schon alt – alte Dinge riechen immer seltsam…). Schon mal an
    einer SD-Karte gerochen? Ich kann euch sagen – kein Vergleich! Tommy
    würde Film lieben. Kennt jemand noch Tommy, den Pinball – Wizzard? Nein?
    Ok …. für die Jüngeren unter uns: Tommy ist der Star einer Rockoper von
    „The Who“ im Jahr 1975 geschrieben. Tommy ist taub, stumm und blind und
    spielt den Flipper wie kein anderer. Möglicherweise by his „sense of smell“.
    Daher ist eines sicher: Tommy würde analog fotografieren! – Was ich sagen
    möchte: Film erreicht die Sinne noch bevor ich überhaupt anfange zu
    fotografieren.

    Film besitzt diese besonderen Materialeigenschaften, hart, glatt, dünn und
    flexibel , ich mag die Handhabung, die Auswahl des geeigneten Films für mein
    Vorhaben, das Hantieren in der Kamera ….. ja, IN der Kamera, genau, man
    muss sie öffnen, um ihn einzulegen, einen Blick ins Innere werfen und grob
    überprüfen. Liegt irgendwo Staub? Wie sehen die Dichtungen aus? Sind
    Schräubchen locker (die der Kamera….)? Analoge Kameras, vor allem die
    älteren Kaliber, ähneln diesen Steam-Punk-Maschinen: Man muss sich um sie
    kümmern (ich werde nicht so weit gehen zu sagen, man müsste sie am Leben
    halten, nein nein, soweit lehnen wir uns nicht aus dem Fenster, nicht wahr
    mein kleiner analoger Schaaaatz?). Nach diesem Prozedere schließen wir die
    Rückwand. Der Film ruht nun in der Black Box, wie der alte Pharao in seinem
    Grab. Der einzige Unterschied: Film schläft nie! Drückt auf den Auslöser und
    er ist da. Oft sogar ohne Batterie und auf jeden Fall ohne Wisch-to-Unlock-
    Mätzchen….

    Wichtig beim Einlegen: Prüft den korrekten Filmtransport! Nichts ist
    deprimierender, als herauszufinden, dass der Filmtransport nicht
    ordnungsgemäß gearbeitet hat – vor allem nach diesem einzigartigen Ausflug
    zum Grand Canyon bei Sonnenaufgang, auf den ihr ein Leben lang gespart
    habt und den ihr sicher nicht in dieser Form wiederholen könnt – nicht nur
    wegen des großen blonden Girls im Bus, mit dem ihr ins Gespräch kamt und
    dass sich spontan zu diesen entspannten Aufnahmen auf dem großen Felsen
    etwas abseits der Gruppe überreden ließ …. aber das ist eine andere
    Geschichte.

    Wenn alles richtig eingelegt ist, kann es los gehen! Schlendert einfach durch
    die Stadt und in die Felder mit dem Wissen, dass euer Film euch 36
    Aufnahmen gewährt. Kennt ihr den Unterschied zu einer 64-GB-SD-Card-
    Digitalkamera? Film lehrt euch, sorgfältig zu sein. Achtet auf das Licht, den
    Ort, die Kombination von Zeit und Blende – kümmert euch um alles, was ein
    gutes Foto ausmacht, denn eure Möglichkeiten sind begrenzt. Film lehrt euch
    das auf einfachste Art. Ganz einfach dadurch, dass ihr keine sofortige
    Kontrolle habt. Ihr müsst einfach schon vorher wissen was ihr tut. Das mag
    Zeit kosten, aber diese Zeit habt ihr, denn ihr müsst nicht alles fotografieren
    was euch vor die Augen kommt – in vielen Fällen genügt es, etwas bewußt
    zu sehen – ohne es zu fotografieren. Ganz anders ist das nach der
    Aufnahme. Dann habt ihr nämlich plötzlich Zeit. Ihr müsst nicht auf diesen
    kleinen LCD-Bildschirm starren, um herauszufinden, welche der 500 Parameter
    – in zehn Untermenüs versteckt – geändert werden sollten, um ein „besseres“
    Bild zu liefern. Alles, was ihr habt, ist das Messsystem der Kamera, Zeit und
    Blende . Und das ist alles was ihr braucht, glaubt mir! Ihr macht das Bild und
    seid fertig und könnt euch auf die nächste Szene, die nächste Ansicht, das
    nächste Foto oder auf euren Kumpel konzentrieren, der mit euch in dieser
    Taverne sitzt, um mit euch zu quatschen. Ihr müsst in seiner Gegenwart
    nicht diesen ständigen Zwang ausleben oder unterdrücken, an der Kamera
    herumzupielen, die Bilder zu scrollen und zu zeigen, nochmal einen anderen
    Winkel auszuprobieren, nochmal ISO und Weißabgleich zu ändern……bis ihr
    bemerkt, dass euer Freund sich lieber mit dem Barkeeper unterhält oder
    inzwischen gegangen ist ….

    Nach 36 Aufnahmen (oder 24 oder 12) spult ihr den Film zurück und die Bilder finden Zuflucht in der Dunkelheit der Patrone.
    Wenn ihr sehr ehrgeizig seid, werdet ihr den Film
    selbst entwickeln, was für mich einer Voodoo-Erfahrung nahe kommt, sobald
    die Bilder aus dem Nichts zu kommen scheinen. Die andere Möglichkeit ist es,
    den Film zu einem professionellen Service zu bringen. Wie auch immer ihr
    vorgeht, es wird etwas Zeit vergehen zwischen der Aufnahme und der
    Sichtung des Ergebnisses, Zeit, die einen gewissen Abstand zur Beurteilung
    schafft. Einige Tage später habt ihr das Ergebnis in den Händen. Wenn es ein
    Diafilm war, lasst das Sonnenlicht hindurch scheinen! Nehmt eine Lupe und
    geht näher ran: Ihr werdet keine Pixel finden, keine Treppen – nur schöne
    farbige Flächen in Licht getaucht. Überhaupt…. haltet mal eine SD-Karte in
    die Sonne? – Okay, war ein Scherz. Aber das führt uns zurück zu dem, wovon
    ich am Anfang sprach: Film spricht die Sinne auf ganz andere Weise an als
    Digital. Es geht um Riechen und Fühlen, Handhabung der Dinge mit allen
    Sinnen und nicht nur um das Überführen eines Stücks Plastik aus dem
    Schacht einer Kamera in den eines PCs, um einige Bilder auf einem Bildschirm
    zu betrachten wie wir inzwischen alles andere auch betrachten in unserem
    modernen Leben. Alle diese Menschen, die herumlaufen und auf ihre
    Smartphones starren, in Online -Shops kaufen, so genannten Freunde auf
    Facebook sammeln, die ihr Leben leben, nur um es irgendwo zu posten (z.B.
    in Foto-Foren, ich weiß….)….. aber … auch das ist eine andere Geschichte.

    Analoge Fotografie hat ich dazu gebracht, mehr Mühe in weniger Bilder zu
    stecken. Sie macht mich zufriedener, weil ich mich intensiver damit
    beschäftige. Es ist als würde ich eine Strecke zu Fuß bewältigen, anstatt sie
    mit dem Auto zurück zu legen und die Umgebung nur durch die
    Windschutzscheibe zu sehen. Pure Fotografie geht für mich nur mit Film.

    Mit anderen Worten: Ich liebe es.
    Höchst subjektiv, irrational, angreifbar und bauchgesteuert.

    Antworten
  2. Arno Reinsberger

    Servus,
    ich bin 59 Jahre und lebe in Stuttgart,meine erste Liebe ist immer noch der 135 er Film
    und 6×6 Roll,so hab ich als 10 Jähriger angefangen und es ist immer noch reine Magie!
    Das Auslösegeräusch Analoger Kameras ist einfach ,,Rock,n Roll,,für mich,die fertigen Bilder in der Hand zu haben ist immer wieder fantastisch.
    Das Fotografieren mit Film ist für mich Wahrhaftiger.
    Natürlich Fotografier ich auch Digital,es ist schnell,billig und perfekt und passt in die heutige Zeit, Dennoch sag ich: kauft Film nicht Pixel !
    Ausrüstung:
    Analog- Hasselblad 500 C , Nikon FE, Polaroid Land 103. Diverse Objektive.
    Digital-Olympus Pen E-P1 , Casio Exilim -EX-H15 ,diverse Opjektive.
    Neukauf demnächst bei ihnen,Nikon F2 Photomic in Black mit Nikkor HC 28/3,5 non AI.
    Sehr schöne Web.Seite,also bis zu meiner Bestellung bei ihnen,lieben gruss A.Reinsberger

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  3. Randle P. McMurphy

    Wer sich heute an der Brillianz seines Kameradisplays erfreut
    hat nie auf eine 8×10″ Mattscheibe einer Sinar oder Plaubel
    gesehen.
    Wer heute denkt HDR wäre das machbare Limit wird nach
    Besuch einer Ausstellung von Ansel Adams die Latte wohl
    etwas höher hängen müssen.

    Was also ist denn nur wirklich Besser oder Schlechter geworden ?
    Nichts – es ist nur anders und man sollte aufhören daraus einen
    solchen „Bohei“ zu machen !

    Professionel geht nur noch Digital, aus Kostengründen und auch wegen der Qualität.

    Hätte der gute Ansel Adams wählen können wäre er sicherlich lieber mit einer D800
    losgezogen statt seine schwere Deardorff rumzuschleppen.
    Auch H.C.B. hätte seine Leica für eine Sony oder Fuji an jeden verfügbaren Nagel
    gehängt – einige seiner Bilder wären wohl etwas schärfer geworden !

    Warum ich sowas sage ?
    Nun weil es Fertiggerichte gibt die locker besser schmecken als das was
    einige Zeitgenossen mit viel Aufwand so selbst zusammenkochen !
    Aber genau da liegt der Unterschied zwischen Dosen öffnen und selbst
    Zutaten schnibbeln und abzuschmecken !

    Der Weg ist da Ziel ?
    Nein aber ab & zu nehme ich mir die Zeit diesen Weg nicht zu rennen
    sondern entlang zu schlendern…………

    Antworten
  4. Uwe

    Werter Gerhard Reininger.
    So ist es.
    Und nicht zu vergessen: Die Entwicklung im eigenen Negativ-Labor.
    Wer kennt das noch,den Geruch von z.B. frisch angesetzem R09 bzw Adostopp oder A300. Das Selbstentwickeln macht auch Freude, die wir Analogies den Digilalies vorraushaben.
    Aber wer weiß wie lange noch.

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