Vergleichstest 28mm-Objektive (Teil 1)

Zunächst möchte ich die getesteten Objektive der Reihe nach vorstellen. Sie sind hinsichtlich Grösse, Stabilität und Preis sehr unterschiedlich.

Nikon Series E 28/2,8

Ein kleines, preiswertes und durch Kunststoffteile sehr leichtes (155 Gramm) Objektiv, erschienen 1979. Mit seinen fünf Linsen ist es relativ einfach konstruiert, also der Konzeption der E-Serie entsprechend ein Objektiv für den Spiegelreflex-Einsteiger mit noch nicht ganz so hochgeschraubten Ansprüchen. Gleiches gilt für das 28/2,8 AF ohne D-Chip, das bis auf die Autofokus-Mechanik mit dem 28er der Serie E identisch ist. Kann das Series E mit den teureren Nikkoren mithalten?

Nikkor 28/2,8 AI

Siebenlinser, der 1974 vorgestellt wurde. Gute alte Vollmetallbauweise (240 Gramm). Er unterscheidet sich äusserlich vom AIS-Nachflogemodell durch die ausserhalb des Objektivgewindes befindliche Datenaufschrift und die Naheinstellgrenze von 0,3 Metern. Auf die Testergebnisse dieses Objektives war ich besonders gespannt, denn es ist deutlich billiger als das AIS, aber genauso solide. Ist es wirklich so viel schlechter?

 

Nikkor 28/2,8 AIS

Ein Klassiker, der von vielen Fotografen hochgelobt wird. Es wurde 1981 vorgestellt, und Nikon zog alle Register, um ein Referenz-Objektiv zu schaffen: Acht Linsen, Floating Elements („Close Range Correction“ CRC) für höchste Leistung auch im Nahbereich, Einstellgrenze 20 cm. Gewicht 260 Gramm. Immer noch neu erhältlich: für 749,– EUR bei Dostal & Rudolf, bei Nikonclassics gebraucht für etwa die Hälfte. Hält dieses Objektiv wirklich, was es verspricht?

 

PC-Nikkor 28/3,5

Spezialobjektiv zur Vermeidung stürzender Linien bei Architekturaufnahmen. Wie bei einer Grossformatkamera kann dieses Objektiv in seiner optischen Achse verschoben („geshifted“) werden, um den Bildausschnitt zu verändern. Die Kamera muss nicht gekippt werden, senkrechte Linien bleiben dadurch parallel. Der mit Floating Elements ausgestattete Neunlinser von 1980 sollte eine exzellente Leistung bieten. Getestet wurde natürlich ohne Verstellung der Achse. Gewicht 490 Gramm.

 

 

Nikkor N-C 28/2,0

Dieses sehr lichtstarke Weitwinkel wurde 1970 vorgestellt und war eine Sensation. Mittels CRC-Technik wurde hier die Frontlinsengruppe verschoben. Dieser Trick und die neuentwickelte Mehrschichtvergütung NIC (Nikon Integrated Coating)  verlieh dem Elflinser eine sagenhafte Abbildungsleistung. Trotz der hohen Lichtstärke noch relativ kompakt (360 Gramm). Bis 2005 wurde es als AIS-Version mit leicht veränderter Optik gebaut. Das getestete Objektiv stammt aus dem Jahr 1974 und wurde später mit einem AI-Blendenring versehen.

 

Zum Vergleich habe ich noch ein Paar Zoom-Objktive getestet, den Anfang macht das

Zoom-Nikkor 28-45/4,5 AI

Dieses Objektiv war Nikons Debüt bei den Weitwinkelzooms, erschienen im Jahr 1975. Es ist außerdem das erste Zoomobjektiv in Retrofokus-Bauweise und 460 Gramm schwer. Nicht sonderlich flexibel ist das 1,6fache Brennweitenverhältnis, und auch die geringe Lichtstärke von 1:4,5 kommt einem problemlosen Fokussieren nicht gerade entgegen. Hervorzuheben ist die beim Fokussieren nicht rotierende Frontlinse, was das Arbeiten mit einem Polarisationsfilter erleichtert. Aber welche Leistung bringt dieser 11-linsige Oldie an einer modernen Digitalkamera?

 

Zoom-Nikkor 28-50/3,5 AIS

Relativ wenig Beachtung fand dieses Weitwinkelzoom, als es 1984 vorgestellt wurde. Die vergleichsweise hohe Lichtstärke in diesem interessanten Brennweitenbereich, die gerade mal eine halbe Blendenstufe unter vergleichbaren Festbrennweiten liegt, hätte damals eigentlich mehr Fotografen ansprechen müssen. Es wurde jedoch nur zwei Jahre lang gebaut, ist also relativ selten.

 

 

Zoom-Nikkor 28-85/3,5-4,5 AIS

Dieser Brennweitenbereich erfreute sich grosser Beliebtheit, nachdem Nikon dieses relativ lange Objektiv 1985 herausbrachte. Die sehr solide 15-linsige Konstruktion wiegt 510 Gramm. Das Zoom verfügt über eine Makroeinstellung bis 1:3,4 und wurde auch als Autofokus-Version mit unveränderter Optik gebaut. Über die optischen Leistungen kursieren verschiedene Ansichten. Wie gut ist es wirklich?

 

 

 

 

Zoom-Nikkor 24-70/2,8 AF-S G ED

Ein Superlativ in jeder Hinsicht: Hochgezüchtetes, sehr teures und schweres (1.100 Gramm!) Profiobjektiv neuester Bauart, für Digitalkameras konstruiert. Mit allem, was moderne Ingenieurskunst vollbracht hat: Asphärische Linsen, ED-(Extralow Dispersion) Gläser, Silent-Wave-Autofokusmotor, Superintegrated Coating mit Nanokristall-Vergütung und elektronisch gesteuerte Blende. Viel mehr kann man nicht tun, um alles aus einem Objektiv herauszuholen. Wie aber schlägt es sich im Vergleich zu 30-40 Jahre älteren kleinen Festbrennweiten?

 

 

 

 

Tamron AF 28-200/3,8-5,6 Asp

Noch ein Nachzügler: eins der berühmt-berüchtigten Suppenzooms „Superzooms“ der 90er Jahre. Riesen- Zoombereich. Kompakt und sehr leicht dank Plastikgehäuse. Erinnert haptisch etwas an ein „yps“-Gimmick. Vom foto-Magazin 1999 mit „sehr gut“ getestet. Was leistet es an der D3?

 

 

 

Wie aber nun sehen die Vergleichsfotos der verschiedenen Objektive aus? Lesen Sie hier weiter!

 

4 Gedanken zu „Vergleichstest 28mm-Objektive (Teil 1)

  1. Markus K.

    Auch für diesen Vergleichstest möchte ich meinen ganz herzlichen Dank ausdrücken. Da ich seit geraumer Zeit überlege, meiner F3 ein paar schöne Festbrennweiten zu verpassen und für die Digis genau das 4-5.6/80-200 im Visier habe, ist der Test für mich sehr aufschlussreich. Faszinierend finde ich die Erkenntnis, dass man offenbar mit Tele-Nikkoren nicht viel verkehrt machen kann was die Abbildungsleistung betrifft und so ganz nach seinem persönlichen Geschmack kaufen kann.
    Anders herum zeigt sich aber auch daß höhere Lichtstärke unterm Strich doch schlechter ist. Bei modernen Optiken wird das ja schön verschleihert, da die lichtstarken Linsen technisch meist auch wesentlich höherem Niveau gebaut werden und somit letztentlich höherwertiger sind.
    Was ich jedoch vermisst habe sind die alten 2,8/80-200 mit Stangen-AF. Wenn man alle Versionen mit leichten Änderungen wertet hätten wir immerhin 4 verschiedene Modelle, die am Markt extrem weit verbreitet sind und immer wieder die Diskussion aufkommt, inwieweit sie sich mit denen neuen VR-Zooms messen können. Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, den Test noch zu ergänzen. Es würde mich sehr freuen! Ansonsten: Weiter so!

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  2. Jürgen Schebesta 85540 Haar/ Ott.

    Hallo Nikonclassic,
    vielen Dank für den Super 28-er Test, ist das Ais 24/2,8 mit dem 28/2,8 vergleichbar?
    Ich suche ein erschwingliches 50-300/4,5 Ais, wo gibts sowas?
    Jürgen Schebesta

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    1. Nikonclassics Artikelautor

      Hallo,
      das AIS 24/2,8 ist leistungsmässig mit dem 28er vergleichbar, da ähnlich aufwendig konstruiert. Einen detaillierten Vergleichstest habe ich aber bisher nicht durchgeführt.
      Das 50-300 ED AIS ist eher selten; ich habe noch nie eins gehabt.
      Viele Grüße,
      Norbert Michalke

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  3. dietmar grün

    Ich hatte das 28/1,8 AF-S G, das 28/2,8 AF-D, das 50-300/4,5Ai, das 28-45/4,5 As, das 24-85/3,5-4,5 AF-G. das 24-85/2,8-4 AF-S, das 28-70/3,5-4,5 AF-D, das 28-100-4,5 AF G, das 28-105/3,5-4,5 AF-D und das 28-50/3,5 AiS- Letzteres habe ich als einziges behalten. Nutze es an der D750 auf Reisen und freue mich an der relativ guten Lichtstärke, da man es mit Offenbarende uneingeschränkt nutzen kann….Ausserdem ist es leichter und kompakter, als die meisten anderen Zoom´s. Das 28-70 verliert durch die sinkende Lichtstärke. Der AF ist langsam und ein Drehzoom behäbiger…..

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