Nikon F2: die Legende lebt!

Wenn heute in Fotografenkreisen der Name „Nikon F2“ fällt, huscht so manchem alten Hasen ein wehmütiges Lächeln übers Gesicht. Denn die F2 war in den siebziger Jahren das Nonplusultra an Kameratechnik. Sie ist aus der Geschichte des Bildjournalismus nicht wegzudenken, kein Fotograf jener Zeit kam an dieser Kamera vorbei.

Im Folgenden will ich kurz darstellen, was die Unterschiede zum Vorgänger Nikon F und zum Nachfolger F3 sind sowie Tipps geben, was heute beim Kauf einer Nikon F2 zu beachten ist.

Wesentliche Design-Unterschiede zur Nikon F sind das abgerundete Gehäuse (die Kamera liegt nun viel besser in der Hand), der nach vorn verlagerte Auslöser und die nun konventionell (also mit einem seitlichen Scharnier) konstruierte Rückwand. Ausserdem wurde die Befestigung der Sucher solider und zuverlässiger gestaltet. Im Inneren jedoch wurde die Konstruktion umfangreicher modernisiert: Die Stromversorgung wurde in den Kameraboden verlegt, die Aufzugsmechanik gestrafft, so dass nur ein kurzer 120-Grad Schwung zum Filmtransport nötig ist. Im Sucher gibt es nun eine Blitzbereitschaftsanzeige und der Schlitzverschluss aus Titanfolie schafft jetzt 1/2000 Sekunde.

Die F2 wurde konsequent als professionelle Systemkamera konzipiert. Neben verschiedenen Prismensuchern gab es einen Lichtschachsucher (DW-1), einen Vergrösserungssucher (DW-2) und einen Sportprismensucher (DA-1). Es gab 19 (!!) unterschiedliche Einstellscheiben, verschiedene Motorantriebe (MD-1/MD-2 und MD-3) standen zur Verfügung. Ausserdem gab es sogar eine ansetzbare Blendenautomatik (DS-12). Diverse Batterie- und Netzstromversorgungen, Fernsteuerungen, Grossraummagazine und weiteres Zubehör wurde angeboten. Vieles davon ist heute sehr selten. Relativ leicht erhältlich sind aber die Grundgehäuse mit den verschiedenen Prismensuchern, die aber meist in stark gebrauchtem Zustand sind. Kein Wunder, denn die F2 war ja ein typisches Profi-Werkzeug und wurde auch entsprechend behandelt.

Von der Nikon F2 gab es verschiedene Ausführungen, deren Kamerakörper jedoch bei allen Modellen gleich war. Sie unterschieden sich nur durch die aufsetzbaren Prismensucher:

Nikon F2AS (vorn) und F2 Photomic

Die F2 Eyelevel besass nur einen reinen Prismensucher ohne Belichtungsmesser, sie wurde wenig verkauft und ist heute entsprechend selten. Die F2 Photomic hatte einen Prismensucher mit Belichtungsmesser (DP-1). Die Anzeige erfolgte mittels einer Nadel, die durch Verstellen der Blende oder Belichtungszeit mit einer Marke zur Deckung gebracht wird. „Photomic“ bedeutet übrigens einfach „Belichtungsmesser“. Den hatten alle folgenden F2-Modelle auch im Sucher, der Einfachheit halber lasse ich deshalb die Bezeichnung „Photomic“ da mal weg. Bei der Weiterentwicklung F2S (der Sucher hiess jetzt DP-2) erfolgte die Einstellung mittels Leuchtdioden, was stossunempfindlicher und bei schlechtem Licht besser ablesbar war. Nur kurze Zeit gebaut wurde die F2SB (Sucher DP-3 mit schneller ansprechenden Silizium-Fotodioden statt der trägeren CdS-Zellen), sie ist deshalb bei Sammlern begehrt. Diese drei erstgenannten Photomic-Sucher benutzten noch das alte Blendenkupplungssystem mittels Gabelkupplung. Es passen aber neben den nonAI-Objektiven auch AI und AIS-Objektive an diese Kameras, denn auch diese verfügen serienmässig über die „Hasenohren“ genannte Gabelkupplung. Sogar AF-Linsen können (ohne Belichtungsmessung) angesetzt werden.

AI-Kupplung an der F2A

1977 wurde das AI-System eingeführt. Der Objektivwechsel wurde dadurch erleichtert, denn es war nicht mehr das etwas hakelige Einsetzen der Gabelkupplung in den Mitnehmer des Messsuchers nötig. Es erschienen nun die mit einer AI-Kupplung ausgestatteten Modelle F2A und F2AS. Sie sind gut erkennbar durch die Beschriftung „A“ bzw. „AS“ vorne rechts am Prismensucher. Der DP-11-Sucher der F2A hatte eine Belichtungsanzeige mit Nadel (sozusagen analog), das Spitzenmodell F2AS zeigte im DP-12-Sucher über drei Leuchtdioden die Belichtungsmessung an. Diese beiden letztgenannten Modelle sind die gefragtesten F2, denn auch mit AF-Objektiven (allerdings nicht mit den ganz neuen „G“-Objektiven) ist hier eine Belichtungsmessung möglich.

Hier noch mal die verschiedenen F2-Modelle im tabellarischen Überblick:


Sucher Belicht. Anzeige Messzellen Blendenkupplung
F2 Eyelevel DE-1
F2 Photomic DP-1 Zeiger CDS Gabel
F2S (Photomic) DP-2 LED CDS Gabel
F2SB (Photomic) DP-3 LED Silizium Gabel
F2A (Photomic) DP-11 Zeiger CDS AI
F2AS(Photomic)  DP-12 LED Silizium AI

Auf die eher exotischen Sondermodelle wie die F2 High Speed, F2 Data und die Titan-Ausführungen will ich hier nicht weiter eingehen. Sie sind sehr selten (und teuer) und nur was für abgebrühte Sammler.

Nach fast 10 Jahren Produktionszeit erschien 1980 das Nachfolgemodell Nikon F3,  und die hatte mit der F2 nicht viel mehr als das Objektivbajonett gemeinsam. Die Verschlusszeitensteuerung wurde nun elektronisch geregelt, an Bord war jetzt auch eine Zeitautomatik. Die Belichtungszeit wurde durch ein winziges LCD-Display im Sucher angezeigt und der schlabbrige Schnellschalthebel aus Plastik liess Sehnsucht nach der vollmechanischen Qualität des Vorgängers aufkommen. Denn die gute alte F2 hatte noch lange nicht ausgedient und erfreute sich weiterhin reger Beliebtheit. Sie ist heute ein absoluter Klassiker. Und in verschiedenen Ausführungen erhältlich im Nikonclassics Onlineshop!

Wenn Sie Sich eine Nikon F2 zulegen möchten, sollten Sie folgendes beachten: Wählen Sie ein Modell passend zu Ihren Objektiven. Wenn Sie die alten nonAI-Objektive verwenden wollen, sollten Sie eine F2 Photomic oder F2S nehmen. Die beiden Modelle F2A und F2AS bieten ein einfacheres Wechseln der Objektive, benötigen dazu aber AI- oder AIS-Objektive. Falls Sie nicht bei Nikonclassics, sondern von Privat (z.B über ebay) kaufen wollen, berücksichtigen Sie bitte dass die Belichtungsmesser oft nicht mehr richtig funktionieren. Die Verschlussvorhänge aus Titanfolie haben manchmal Dellen oder Risse, ausserdem sind Spiegeldämpfer und Lichtdichtungen meist erneuerungsbedürftig. Die ersten beiden Ziffern der Seriennummer zeigen übrigens das ungefähre Baujahr an.

Prospekte und Bedienungsanleitungen zu vielen Nikons können Sie übrigens  hier herunterladen.

Quellen und zum weiterlesen:

8 Gedanken zu „Nikon F2: die Legende lebt!

  1. Anonymous

    Guten Abend Herr Michalke,
    ich besitze eine Nikon F2S, sie funktioniert tadellos, die Belichtung
    von Farbfilmen ist problemlos, nur bei SW-Aufnahmen komme ich
    nicht klar. Bei der F2AS mit 3 Dioden kann ich kritische Situationen
    (Aufnahmen am Wasser, …) gut bestimmen, aber mit den 2 Dioden
    der F2S habe ich Schwierigkeiten, die richtige Belichtung zu ermit-
    teln. Gibt es dafür eine praktikable Anleitung, oder stimmt der Satz,
    2 Dioden leuchten = Belichtung stimmt (immer) ?
    Für entsprechende Tipps wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichem Gruß

    Antworten
    1. Nikonclassics Artikelautor

      ja, das kann ich gut verstehen. Die Anzeige mit den zwei LEDs ist wirklich nicht sehr praktikabel. Mit einer Zeigeranzeige oder mehreren LEDs kann man eine Belichtungsabweichung deutlich besser beurteilen. Theoretisch sollen für die korrekte Belichtung beide LEDs der F2S leuchten, in der Praxis lässt aber schon eine sehr geringe Abweichung eine der beiden erlöschen. Das sollte aber durch den Belichtungsspielraum (grade des SW-)Films unerheblich sein.
      Im Zweifelsfall ist es bei sehr kontrastreichen Motiven hilfreich, denjenigen Bildteil anzumessen, der nachher als mittlerer Grauton im Bild erscheinen soll.

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  2. Randle P. McMurphy

    Da ich erst mir der F3 ins Nikon Lager „gespühlt“ wurde konnte ich
    zuerst mit den vorangegangenen Pre-AI-Altlasten wenig anfangen.
    Die F4 hatte ich ebenfalls zuerst Links liegen gelassen und war mit
    der F5 zu den Annehmlichkeiten des Autofokus und Mehrfeldmessung
    gekommen. Doch unverhofft kommt eben doch sehr oft und gute
    20 Jahre später war mir durch den Entschluss für meine privaten
    Projekte nur noch Film zu verwenden eine Nikon F4s an der „Bucht“
    ins Netz gegangen. Hier folgte lustigerweise die zweite „Verschmäte“
    in Gestalt einer sehr, sehr gebrauchten Nikon F2 und einiger alter
    Objektive welche ich zuweilen an einer Nikkormat EL mit Zeitautomatik
    als „Understatement“ pur durch die Krisenregionen meiner Urlaube trage.

    Wenn mir heute einer der jüngeren Kollegen stolz seine Nikon D3/D4/DF
    präsentiert und von „Gewicht“ spricht veranschauliche ich diesem gerne
    an Hand der Nikon F2 mit angeschraubtem Motor MD-2 wie man(n)
    den Bizeps richtig trainiert………

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  3. Regin Reuschel

    Die F2 benutze ich seit 1976 – damals gleich die F2S mit den dicken LED. 1971 stieg ich noch mit der Nikon F ein und favorisierte diese. Bis heute gefällt mir an der F die aufschiebbare Rückwand besser, weil dieses System keinen Dichtungsverschleiß kennt. Bei der F2 liegt mir die „Eyelevel“ besonders, weil sie ohne diesen Photomic-Höcker viel angenehmer zu handhaben ist. Für Fotos bei schlechtem Licht bevorzuge ich die F2S wegen ihrer unübersehbaren LED; das Argument träger Ansprechbarkeit lasse ich nicht gelten, weil ich mir für die einmal vorzunehmende Grundeinstellung ohnehin Zeit lasse. Es gibt wohl kaum einen besser verarbeiteten Motor Drive als den MD-2 zur F2! Dazu gehört aber die Rückwand MF-3 wegen ihrer Griffigkeit – nicht unbedingt wegen des Rückspulstops vor Filmende. Heute bevorzuge ich als Motorkamera jedoch die wesentliche handlichere F801, zumal als F801s mit Spotmessung. Die erste Version der F2 (1971) hatte noch die von der Nikon F gewohnte härtere „Pseudo-Belederung“; anschließend wurde sie etwas weicher und griffiger gestaltet. Der Sammler schätzt natürlich die ursprüngliche Version;-)). Da mich die F3 in etlichen Details nie zu überzeugen vermochte („Rallyestreifen-Design“, Aufgabe der Kompatibilität zu F und F2, Anordnung von Auslöser und Filmtransporthebel, kein Fortschritt bei der Blitzsynchozeit gegenüber F2, unnützer Griffwulst ohne Handlichkeitsvorteile, elender mechanischer Hilfsauslöser etc. – kurz: mehr Schein- statt Funktions-Design), bleibt die F2 meine Favoritin. Ihre Voll-Mechanik überzeugt; ich brauche keine Elektronik. Und wenn schon, dann waren bzw. sind mir die FE-Modelle und die F801 weit lieber als die F3, zumal in Sachen Verschlussqualitäten! Also: Die F2 ist DIE Mechanik-Königin nicht nur der Nikons, sondern aller SLR.

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  4. Peter Bermes

    Auch ich habe meine F2 im Juni 1976 neu gekauft und sie beim Auspacken kurz auf der leicht aus der Horizontalen schräggestellten Zeichentischplatte abgestellt, als genau in diesem Moment mein dreijähriger Sohn hinter mir schrie und ich mich erschrocken zu ihm umdrehte. Es war aber nichts Ernstes und als ich mich nach einer paar Minuten auf meinem Drehstuhl wieder an den Zeichentisch zurückschwenkte, stand die F2 friedlich auf dem Teppichboden. Ich dachte sogleich oha, das war’s ja wohl schon, den Sturz hat sie garantiert nicht verkraftet! Also Luft angehalten, alles durchgecheckt, keine Beule zu sehen, alle Zeiten ok, DP-2 zeigt genaue Werte etc.etc. Was soll ich sonst noch zur Qualität sagen, ausser vielleicht, dass ich exakt diese F2 mit diversen Objektiven bestückt, (aber am liebsten mit dem Nikkor 2,5/105 mm!) bis zur Schliessung meines Designbüros im Jahre 2013 aus Altersgründen, ständig in Gebrauch hatte und welche seither – folgerichtig – nun einfach von meinem Sohn in Australien mit grosser Begeisterung weiterbenutzt wird, parallel zur Digitalwelt….!

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  5. Heiko Kind

    Moin,
    ich habe hier eine Nikon F2A Photomic und würde diese gern etwas säubern. Um den Sucher abzunehmen muss ich den Knopf vorn rechts drücken und drehen. Der vordere Teil des Suchers löst sich dann wohl auch, aber ich kriege den ganzen Sucher nicht herunter.
    Muss ich auf eine bestimmte Zeit stellen, damit der Sucher nach oben gehen kann oder gibt es noch einen weiteren Entriegelungsknopf?

    Schon mal vorab Danke für die Hilfe…

    Heiko

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  6. Andreas Schumacher

    F2 mit dem DP-1 Sucher (mir gefällt die klassische Nadelanzeige besser als der Leuchtdiodenabgleich).
    Gerne hätte ich den ‚plain-prism‘ Sucher DE-1 (ich nutze hauptsächlich einen Handbelichtungsmesser),
    der aber leider mittlerweile teurer gehandelt wird als eine komplette F2 mit DP-x Sucher …
    Auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön an nikonclassics / Norbert Michalke für die freundliche und zuverlässige Art. Ich persönlich bin auch mit den -häufig kritisierten- Preisen einverstanden; ich habe schon oft günstigere Kameras oder Optiken eingekauft, die dann -nach erfolgter, notwendiger CLA- doch um einiges teurer wurden, als zuvor gedacht. Die Geräte von nikonclassics entsprechen immer der Beschreibung und sind top gewartet.

    Andreas Schumacher

    Antworten

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