Nikon F-301 – das verkannte Aschenputtel?

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Als die Nikon F301 im Jahre 1985 erstmals präsentiert wurde stand die Berliner Mauer noch felsenfest und der Zeitreiseklassiker „Zurück in die Zukunft“ kam grade ins Kino. Die neue Nikon hatte zwar keinen Fluxkompensator, aber dafür erstmals einen eingebauten Motor für den Filmtransport. Sie löste das Amateurmodell Nikon FG ab und war der Anfang einer neuen Generation von einfach zu bedienenden Kameras für Hobbyfotografen. Trotzdem bot sie ein erstaunliches Paket an Ausstattung, und so ist nicht ganz zu verstehen, warum diese Kamera auf dem Gebrauchtmarkt momentan ein Schattendasein führt.

Elektronik der F-301

Elektronik der F-301

Und das, wo sie einen deutlichen Vorteil gegenüber den beliebten Modellen FE-2 und FM2n hat. Doch dazu später mehr.

Wer sich mit dem 80er-Jahre-Design anfreundet, bekommt eine solide Kamera, die dem Fotograf viel Arbeit abnimmt, ohne das er (oder sie) die Kontrolle verliert. Angefangen bei der automatischen Filmeinfädelung über die selbsttätige Fimempfindlichkeitseinstellung bis hin zum motorischen Filmtransport und natürlich verschiedener Belichtungsprogramme. Trotzdem ist eine manuelle Belichtungseinstellung  problemlos möglich. Und zwar nicht über die damals aufkommenden kleinen Tasten über winzige LCD-Menüs, sondern noch ganz klassisch mit einem übersichtlichen Einstellrad neben dem Auslöser. Rechts im Sucher wird dann sowohl die eingestellte als auch (blinkend) die gemessene Belichtungszeit angezeigt. Die Zeitautomatik mit Blendenvorwahl nimmt – bei voller Kontrolle über die Schärfentiefe – dem Fotografen die Zeiteinstellung ab. Wer es ganz bequem haben will, verwendet die Programmautomatik und überlässt der Kamera die Einstellung von Zeit und Blende. Die neue Kurzzeit-Programmatomatik „PHI“ bevorzugt dabei schnelle Zeiten – ideal für Schnappschüsse oder lange Brennweiten. Sogar eine Akustische Signalanzeige ist an Bord, die bei Bedarf falsche Belichtung, Verwacklungsgefahr oder das Filmende signalisiert.

DSC_3407Die Stromversorgung erfolgt über vier AAA-Mikrozellen, die im Boden untergebracht sind. Der separat erhältliche Batteriehalter MB-3 lässt alternativ auch die Verwendung von Mignon-Batterien oder -Akkus zu.

Mit der F-301 können alle manuellen AI- oder AIS-Nikkore verwendet werden. Wobei AI oder AIS keinen Unterschied macht, denn die Programmautomatik korrigiert gegebenenfalls die lichtlineare Blendenmechanik der AI-Objektive. Auch AF-Objektve mit Blendenring lassen sich verwenden, natürlich dann mit manueller Scharfeinstellung. Die alten non-AI-Nikkore sind aber nicht sinnvoll verwendbar.

Metallgehäuse der F-301

Metallgehäuse der F-301

Nun zum grössten Pluspunkt, die der F-301 einen deutlichen Vorsprung gegenüber der FE-2, FA oder FM2n bringt: durch die neuentwickelte „Brite View“-Einstellscheibe ist das Sucherbild besonders hell und klar. Die Schnittbild-Einstellhilfe dunkelt nicht wie bisher bei Blende 4-5,6 ab, sondern lässt weiterhin präzises Scharfeinstellen zu – ein deutlicher Vorteil grade bei lichtschwachen Teleobjektiven. Möglich wurde das durch eine spezielle Strukturierung der Oberfläche der Schnittbildkeile.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Nikon F-301 eine „Schläfer“-Kamera ist, die vermutlich in Zukunft wegen des kultigen 1980er-Designs und der vielfältigen technischen Features erst noch so richtig entdeckt werden wird. Noch gibt es sie sehr günstig: bei Nikonclassics.

Weitere Infos zur Nikon F301:

 

2 Gedanken zu „Nikon F-301 – das verkannte Aschenputtel?

  1. Peter

    Das war mit 15 meine erste Nikon, nachdem ich zuvor ein Jahr mit ner altersschwachen aber kultigen zweiäugigen ROLLOP im Mittelformat geübt hatte. 750,- DM hatte ich mühselig mit Feriejob zusamm gespart. Das Prospekt von Nikon zur F-301 war Wochenlang meine Hauptlektüre…. Als ich die Kamera dann zum erstenmal im Schaufenster sah war ich komplett geflasht von dem Design. Wenig später war sie mein Eigen. Mit dem obligatorischen 50ziger (das ich gerne noch heute bei Nachtaufnahmen) an meiben Digis verwende. Das Normalo war ja mit seinen 1,8 Blende war ja ejn aufgeppetes der E-Serie aber noch wertiger wirkt als manch heutiger Plastikbolide… Hab die Kamera zweimal in der Vitrine, eine isf noch meine Alte von damals die ich über Umwege vor Kurzem wieder bekommen habe. Hatte ihr mal ne neue Gummierung verpasst aber ansonsten funktioniert sie immer noch einwandfrei. Manche bbdhaupten das die Kamera nicht mehr kann als ne FG mit Motor (was nicht ganz stimmt). Aber das Design war und ist völlig anders als alle anderen Nikons (ausser natürlich die fast baugleiche F-501 ). Ich sammel Nikons aus den 1980er Jahre und die 301 ist der Inbegriff dieser Epoche. Wer eine kaufen will sollte auf eine intakte Gummierung achten. Weiss nicht ob die noch als Ersatzteil vorliegen und das Problem sich lösender Gummierungen hatte mit der 301 seinen unrühmlichen Anfang.

  2. Markus K.

    Daß die Kamera wirklich so verkannt worden sei, würde ich nicht unbedingt unterschreiben. In meinem Bekanntenkreis waren einige Exemplare unterwegs und haben speziell bei der Lokalzeitungsarbeit „ihren Mann gestanden“. Mir hat die 301 nie richtig gefallen, muss ihr aber auch eine sehr gute Ausstattung und Zähigkeit attestieren. Leider hat sie ihre inneren Werte, besonders ihre Robustheit, nicht so plakativ nach außen getragen. Zur Haltbarkeit muss man aber auch sagen, daß viele Kameras dieser Epoche und Preisklasse ganz schön einstecken konnten. Habe als Lokalreporter viele Amateuerkameras im Einsatz gesehen und man konnte auch mit denen ganz anständig arbeiten.

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